Wirtschaft : Drucker nutzen Fußball-WM als Druckmittel

NAME

Frankfurt/Main (dpa). Die Tarifparteien der Druckindustrie haben sich am Donnerstag auf einen neuen Gesprächstermin am 29. Mai in Frankfurt geeinigt, nachdem in der Nacht zuvor die Verhandlungen für die 220 000 Beschäftigten nach 15 Stunden abgebrochen worden waren. Beide Seiten hatten aber umgehend betont, sie seien zu weiteren Gesprächen bereit.

Trotz des neuen Termins bereitet sich die Gewerkschaft Verdi auf einen Arbeitskampf vor. Die Tarifkommission beschloss nach Gewerkschaftsangaben einstimmig Urabstimmungen über unbefristete Streiks. „Dem Verdi-Bundesvorstand wird jetzt ein Antrag auf Einleitung der Urabstimmung gestellt“, teilte die Gewerkschaft in Berlin mit. „Die Urabstimmung findet voraussichtlich vom 30. Mai bis zum 5. Juni statt.“ Den letzten Verdi-Vorschlag über einen Abschluss mit einer Laufzeit von 13 Monaten mit 3,4 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie einer Einmalzahlung von 43 Euro hatten die Arbeitgeber als „nicht konsensfähig“ bezeichnet.

Der Sprecher des Arbeitgeberverband Druck und Medien, Peter Klemm, nannte das Verhalten der Gewerkschaft unverantwortlich. Angesichts eines Anzeigenrückgangs von 20 bis 30 Prozent in den vergangenen Monaten bei einigen Tageszeitungen gefährde und vernichte die Gewerkschaft mit ihren Forderungen Arbeitsplätze. „3,4 Prozent sind einfach zu viel. Wir werden die Streiks schlicht und einfach aushalten“, sagte Klemm. Die Arbeitgeber hatten ursprünglich Einkommenserhöhungen um 2,8 Prozent angeboten, die Gewerkschaft hatte 6,5 Prozent gefordert.

Verdi-Verhandlungsführer Frank Werneke betonte dagegen, die Beschäftigten der Druckindustrie dürften nicht von den Lohnerhöhungen in anderen Branchen wie etwa der Metall- und Chemieindustrie abgekoppelt werden. „Die Arbeitgeber haben ein Eigentor geschossen. Ein so günstiges Verhandlungsangebot wird es nie wieder geben“, sagte Werneke. Die Gewerkschaft werde nun bis zum Beginn des förmlichen Streiks ihre Warnstreiks wesentlich flexibler und damit unberechenbarer gestalten. Später wolle Verdi auch die Berichterstattung über die Fußball-Weltmeisterschaft in Südkorea und Japan behindern. „Die Fußball-Weltmeisterschaft spielt uns bezogen auf die Arbeitskampfmöglichkeiten in die Hände, und wir werden das auch nutzen“, kündigte Werneke an. Verdi werde gezielt einzelne Zeitungen oder auch ganze Regionen bestreiken, sagte er. Die Gewerkschaft habe sich jedenfalls auf einen mehrwöchigen Arbeitskampf eingestellt.

Die Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie in den Bezirken Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland sind auf kommenden Dienstag vertagt worden. Das teilten Sprecher der IG Metall und der Arbeitgeber am Donnerstag nach rund zweistündigen Verhandlungen in Neustadt mit. Beide Seiten versicherten, man wolle den Pilotabschluss aus Baden-Württemberg für die 430 000 Metall-Beschäftigten der so genannten Mittelgruppe übernehmen. Über einige Punkte müsse jedoch noch verhandelt werden. Der Tarifkonflikt in der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie ist dagegen beendet. Arbeitgeber und IG Metall einigten sich am Donnerstag in Neuss auf die Übernahme des Pilot-Abschlusses von Baden-Württemberg. Die Löhne und Gehälter der 750000 Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen steigen von Juni dieses Jahres an um 4,0 Prozent, von Juni 2003 an um weitere 3,1 Prozent. Zusätzlich erhalten die Arbeitnehmer einmalig 120 Euro. In der sächsischen Metall- und Elektroindustrie spitzt sich die Lage weiter zu. Ein Sondierungsgespräch zwischen Arbeitgebern und der IG-Metall ging in Dresden ohne greifbares Ergebnis zu Ende. Am Freitag soll weiter verhandelt werden.

Nach wie vor sträuben sich die Arbeitgeber, den im Ost-Pilotbezirk Berlin-Brandenburg gefundenen Tarifabschluss für die 123 000 Beschäftigten in Sachsen zu übernehmen. Die Gewerkschaft drohte mit Streik ab Anfang Juni.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben