Wirtschaft : Druckindustrie: Branche erwartet Stagnation

Die deutsche Druckindustrie leidet unter der Werbeflaute. Im Schatten der allgemeinen Konjunkturschwäche stellt sich die Branche für 2001 auf Stagnation ein. Werbeschlachten zwischen Mannesmann und Vodafone, Börsengänge der Telekom-Familie sowie das allgemeine Fieber an den Aktienmärkten bescherten der Druckindustrie 2000 noch ein Umsatzplus von 5,3 Prozent auf 34,6 Milliarden Mark (17,7 Milliarden Euro). "In diesem Jahr erwarten wir kein Wachstum", prognostizierte der Bundesverband Druck und Medien am Donnerstag in Frankfurt.

Da die knapp 1900 Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten zu etwa zwei Dritteln vom Werbegeschäft abhängen, macht sich die allgemeine wirtschaftliche Abkühlung in der Druckindustrie besonders bemerkbar. Auch vom Export seien diesmal keine Impulse zu erwarten, sagte bvdm-Präsident Alexander Schorsch. Im vergangenen Jahr stieg das Auslandsgeschäft noch um 16 Prozent. Weniger Anzeigenblätter, Werbeschriften, Kataloge sowie rückläufige Auflagen von Wirtschaftsblättern werden die Ertragslage belasten. 2000 konnte die durchschnittliche Umsatzrendite auf 2,5 (2,0) Prozent vor Steuern gesteigert werden. Auch bei der Beschäftigung kann das Ausnahmejahr 2000 nicht wiederholt werden. Eher sei mit weniger Stellen zu rechnen. Erstmals seit vielen Jahren wurden die Belegschaften 2000 wieder ausgeweitet, und zwar um 0,8 Prozent auf 136 723 Arbeitnehmer. Positiv bewertete Schorsch aber die Zunahme der Ausbildungsplätze um 17 Prozent. "Ich kann nur jedem raten, Drucker zu werden", betonte er. Dieser klassische Beruf findet im Gegensatz zum neu geschaffenen "Mediengestalter" für Digital- und Printmedien bei jungen Leuten nur noch geringen Anklang.

Sorge bereiten der Branche auch die stark gestiegenen Papierpreise mit Aufschlägen von bis zu 60 Prozent im vergangenen Jahr. Zwar sei der Höhepunkt des Preisauftriebs wieder vorbei, aber die gestiegenen Kosten hätten in den Preisen kaum weitergegeben werden können. Dabei spiele die starke Position der großen Abnehmer eine Rolle. "Erpressungsversuche von Großkunden sind gang und gäbe", monierte Hauptgeschäftsführer Thomas Mayer. Langfristig hat die Druckindustrie nach Ansicht von Schorsch aber unverändert gute Perspektiven, vor allem mit der Möglichkeit der Digitaltechnik.

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