Wirtschaft : Druckmaschinen rollen wieder schneller

Steigende Investitionen trotz Umsatzrückgangs / Handwerk bedroht Jobs

FRANKFURT (MAIN) (dpa). In der deutschen Druckindustrie ist nach Jahren der Talfahrt die Konjunkturampel von Rot auf Grün umgesprungen.Vor allem das verbesserte Werbeklima hat bereits im zweiten Halbjahr 1996 zu einer positiven Wende bei Nachfrage und Produktion geführt."Die Zukunft sieht wieder etwas rosiger aus", sagte der Vizepräsident des Bundesverbandes Druck, Manfred Adrian, am Dienstag in Frankfurt (Main).Die Einbußen der Vormonate hätten im Jahresdurchschnitt 1996 jedoch nicht wettgemacht werden können, so daß das Niveau des Vorjahres unterschritten wurde. Für eine Fortsetzung des positiven Trends auch 1997 sprechen die wieder steigenden Investitionen.In der westdeutschen Druckindustrie wollen die Betriebe ihre Ausgaben für Bauten und Ausrüstungsgüter um acht Prozent aufstocken, nachdem sie in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich gekürzt worden sind.Als wichtiges Indiz für den Konjunkturfrühling bezeichnete Adrian die im ersten Quartal wieder auf 85 (Vorjahr: 83) Prozent gestiegene Kapazitätsauslastung.Auch in Ostdeutschland würden die Investitionen voraussichtlich wieder zunehmen. Keine Wende zeichnet sich dagegen bei der Beschäftigung ab.Der Rückgang um 3,1 Prozent auf 225 300 Personen bis Mitte Juni 1996 dürfte aber in den folgenden zwölf Monaten kleiner geworden sein, sagte Adrian. Das wieder rosige Konjunkturbild wird allerdings vom Handwerk stark eingetrübt.Die Berufe "Drucker" und "Druckvorlagenhersteller" sollen auf Betreiben der Zünfte in die Handwerksordnung aufgenommen werden.Eine Arbeitsgruppe im Bundestag wolle sich einen entsprechenden Vorschlag des Handwerks zu eigen machen, kritisiert Hauptgeschäftsführer Walter Hesse."Hunderte von Betrieben müßten dann schließen und Tausende von Arbeitsplätzen wären in Gefahr, wenn der Inhaber nicht im Nachhinein die Handwerksmeisterprüfung ablegt." Adrian vermutet hinter dem "anachronistischen Aufbau von Zugangschancen" für Druckberufe rein verbandspolitische Interessen im Kampf um Mitglieder. Die Vertreter der Druckindustrie sind über diesen "skandalösen Vorgang" auch deshalb empört, weil sie im Gegensatz zum generellen Trend mit positiven Ausbildungszahlen aufwarten können.Die Zahl der Ausbildungsverträge ist 1996 um sieben Prozent geklettert.Mitte 1997 hätten 11 200 Auszubildende einen Beruf in der Druckindustrie erlernt.Zusammen mit der Umwandlung von der klassischen Druckbranche zu modernen Multimedia-Anbietern hätten insbesondere die vor- und nachgelagerten Berufe an Bedeutung gewonnen. So hätten beim Abschluß neuer Lehrverträge bis Ende 1996 die Berufe der Druckvorstufe um 12,4 Prozent auf 1811 zugelegt.Bei der Druckweiterverarbeitung (Buchbinder und Verpackungsmittelmechaniker) sei sogar ein Zuwachs von 14,5 Prozent auf 759 Ausbildungsverträge eingetreten.In der traditionellen Drucktechnik blieb dagegen das Niveau mit 1631 (plus 0,3 Prozent) fast unverändert. 1996 kamen die 2019 Betriebe der Druckindustrie mit 20 und mehr Beschäftigten auf einen Umsatz von 31,7 Mrd.DM, 1,5 Prozent weniger als im Vorjahr.12 000 weitere Betriebe mit weniger als 20 Arbeitnehmern erwirtschafteten nochmals 8 Mrd.DM.Im ersten Quartal 1997 schwächte sich der Branchenumsatz nochmals um 5,6 Prozent ab.Dies ist allerdings in erster Linie auf die stark gesunkenen Papierpreise zurückzuführen, die im Branchendurchschnitt 30 Prozent der Kosten ausmachen.Somit ist der Umsatz kein Kriterium zur Beurteilung der Branchenentwicklung, bekräftigte Adrian.

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