• Drücken sich die Männer in Ost und West immer noch vorm Putzen? - Berliner Forscher suchen Testpersonen

Wirtschaft : Drücken sich die Männer in Ost und West immer noch vorm Putzen? - Berliner Forscher suchen Testpersonen

Johannes Metzler

Die Reste der Weihnachtsgans stehen noch auf dem Tisch, die Teller vom Vorabend müssen gespült und die Tannennadeln unterm Christbaum weggefegt werden. Nebenbei muss irgend jemand die Kinder im Auge behalten, die mit ihrem neuen Spielzeug im Wohnzimmer herumtollen - meist ist dieser jemand die (Haus-)Frau. Streit ist dieser Tage oftmals programmiert, wenn es um die häuslichen Pflichten geht; besonders den männlichen Zeitgenossen wird allenthalben nachgesagt, sich bevorzugt vor der lästigen Hausarbeit zu drücken. Die viel beschworene Gleichberechtigung endet in vielen Lebensgemeinschaften vor Küche und Kinderzimmer.

Das Berliner Institut für Sozialforschung (BIS) gab jetzt den Startschuss für ein Forschungsprojekt, das klären soll, wie sich die Paare in West- und Ostdeutschland die Hausarbeit aufteilen. Die These des Teams um Eva Schulze, die schon vor rund fünfzehn Jahren gemeinsam mit Kollegen eine umfangreiche Studie zum Thema vorgelegt hat: In Lebensgemeinschaften ohne Trauschein wird die Arbeit eher gemeinsam erledigt, während in "klassischen" Ehen der Trend nach wie vor zur traditionellen Arbeitsteilung geht - die Ehefrau wäscht, putzt und kümmert sich um die Kleinen, während er das Geld verdient.

Die grüne Politikerin Irmingard Schewe-Gerigk hatte im Frühjahr vorgeschlagen, Männer per Gesetz zur Hausarbeit zu zwingen und musste sich dafür sogar aus den eigenen Reihen heftige Kritik anhören. Die Zeitschrift "Freundin" fand daraufhin heraus, dass die Mehrheit der Frauen mit ihrer Rolle ganz zufrieden sind. Über die Hälfte der vom Forschungsinstitut Emnid befragten Frauen gaben an, der Slogan "Frauen am Herd" sei ihnen sympathisch. Das Problem besteht allerdings darin, dass immer mehr Frauen den Tag eben nicht am Herd verbringen und trotzdem - zusätzlich zum Beruf - "ihre" häuslichen Pflichten wahrnehmen müssen. Während es für viele Frauen in der DDR normal war, einem Job außerhalb der eigenen vier Wände nachzugehen, ist die Quote der Frauenerwerbsarbeit mittlerweile auch in Westdeutschland auf über 50 Prozent gestiegen. Damit hat sie einen neuen Rekordstand erreicht. Ob die Berufstätigkeit der Frau dazu führt, dass sie weniger Kochen und Bügeln muss, soll jetzt vom BIS anhand von 60 Testpaaren geklärt werden. 1983 hatte die Umfrage von Sozialwissenschaftlerin Eva Schulze für Westdeutschland ergeben, dass besser qualifizierte Frauen, die im Berufsleben stehen, weniger zu Hause schuften mussten. Ungeachtet dieses Trends gaben über 81 Prozent der berufstätigen verheirateten Frauen an, die Hausarbeit ganz alleine erledigen zu müssen. Bei den Lebensgemeinschaften ohne Trauschein waren es immerhin noch rund 60 Prozent. Die Frauen-Trendzeitschrift "Cosmopolitan" gibt mittlerweile jedoch anderen Themen den Vorzug: "Wir gehen davon aus, dass die Hausarbeit für die nachwachsende Generation kein Thema mehr ist", sagt Redakteurin Andrea Ketterer.

Ab Januar sollen die ausgewählten Paare den vier mit dem Projekt befassten Soziologen Rede und Antwort stehen und ihre alltäglichen Haushalts-Gewohnheiten zu Protokoll geben. Die Befragung der Partner erfolgt allerdings getrennt. Schließlich bestehe die Gefahr, dass der eine angibt, er nehme stets den Löwenanteil der anstehenden Haushaltsaufgaben auf sich, während "der andere nur mit den Augen rollt", so Schulze. Paare, die Lust haben, dem Forscherteam von ihren Spül- und Kochgewohnheiten zu erzählen, können sich unter den Telefonnummern 31 00 09 42 oder 31 00 09 49 melden.

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