DSGV : Horst Köhler - der Sparkassenpräsident

Horst Köhler führte die kommunalen Institute einst – jetzt wirbt er als Bundespräsident für das Modell und fordert mehr Nähe zu den Kunden.

Corinna Visser

BerlinAm Eingang gibt es ein rotes Sparschwein für Horst Köhler. Das erhält der Bundespräsident von seinem Nachfolger Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV). Köhler war von 1993 bis 1998 selbst Präsident des Verbandes. Er fühlt sich den Sparkassen immer noch verbunden und lässt sich daher geduldig mit Haasis neben einem hüfthohen roten Riesen- Sparschwein vor dem Konzerthauses am Gendarmenmarkt fotografieren.

Mitten in der Finanzkrise haben Banken wenig Grund zu feiern. Bei den Sparkassen ist das anders. Die begehen mit Stolz ihr 200-jähriges Bestehen. „In diesen Tagen klopfen uns nun wieder viele derjenigen auf die Schultern, mit denen wir noch gestern große Kämpfe um die Existenz der Sparkassen ausfechten mussten“, sagt Haasis auf der Bühne des Konzertsaales. „Wir sollten diesen neuen Zuspruch mit Freude, aber ohne Überheblichkeit entgegennehmen“, fügt er hinzu. 800 Gäste aus Sparkassen, Verbänden und Politik sind am Dienstag gekommen, das Jubiläum zu feiern.

Auch Horst Köhler ruft zur Bescheidenheit auf. Die Sparkassen hätten sich in der aktuellen Krise als stabilisierender Faktor erwiesen. „Anlass zur Selbstgerechtigkeit im Sparkassenlager bietet das aber nicht“, sagt der Bundespräsident.

Er selbst sei 1993 aus Überzeugung zum „Sparkässler“ geworden, sagt Köhler. Und Haasis hält ihn sogar für einen „prägenden Teil der Geschichte der Sparkassen“. Natürlich hätten ihn damals viele gefragt, „warum ich als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium ausgerechnet zum DSGV wechselte“, berichtet der Bundespräsident. „Die Antwort ist einfach: weil ich von der Sparkassenidee überzeugt war. Das bin ich bis heute.“ Und wenn er zuletzt als „Sparkassendirektor“ tituliert worden sei, dann habe er auch das als Ehre verstanden. Dafür gibt es natürlich Applaus vom Publikum.

Köhler nennt die Sparkassen einen „Anker in der Globalisierung“, lobt ihre lokale Verbundenheit und stellt fest: „Die Sparkassenidee ist modern.“ Das Regionalprinzip sei nicht überholt, im Gegenteil, es komme darauf an, es zu stärken. Leider hätten manche Akteure in der internationalen Finanzwelt ihre Verantwortung vergessen. „Die Konsequenzen dieses Vergessens müssen jetzt alle ausbaden“, sagt der Bundespräsident.

Aber Köhler wäre nicht Köhler, wenn er nicht auch mahnen würde. Schadenfreude hält er nicht für angebracht. „Stattdessen ist überall Selbstprüfung angesagt und bei der Aufsicht über die Institute und die Märkte muss entschlossen und gründlich angepackt werden. Dazu gehört zwingend auch die Neuordnung der Landesbanken.“ An dieser Stelle gibt es keinen Applaus – die Sparkassen gehören zu den Trägern der Landesbanken. Auch manche Vorstände hätten die Bodenhaftung verloren, sagt Köhler. Die Lage der Landesbanken sei nicht deren einziges Problem. „Auch im Alltagsgeschäft von Sparkassen ging es zunehmend um Vertrieb statt um vernünftige Kundenbetreuung“, kritisiert Köhler und fordert: „Haben Sie die Größe, Fehler zuzugeben.“

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