Duale Berufsausbildung : Berlin lockt Auszubildende aus ganz Deutschland

Das Ausbildungsjahr hat begonnen. Diesmal sind besonders viele Auswärtige für ihre Lehre in Berlin.

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Im Gespräch. Berlins IHK-Präsidentin Beatrice Kramm (Zweite von links) diskutiert mit Auszubildenden, die vor wenigen Tagen ihre Lehre begonnen haben.
Im Gespräch. Berlins IHK-Präsidentin Beatrice Kramm (Zweite von links) diskutiert mit Auszubildenden, die vor wenigen Tagen ihre...Foto: Michael Brunner/ IHK Berlin

Für Tom Solka war die Sache mit der Ausbildung schon lange klar. „Mein Vater hat selbst als Jugendlicher eine Lehre gemacht und mir dazu geraten, beruflich etwas Handsolides zu machen“, sagt der 18-Jährige. Am 1. September hat er bei dem österreichischen Bauunternehmen Strabag eine Ausbildung zum Elektroniker für Gebäude und Struktursysteme begonnen – nicht in seiner Heimat Magdeburg, sondern in der deutschen Hauptstadt. Das Unternehmen hatte den Abiturienten nach erfolgreich absolviertem Vorstellungsgespräch zwischen verschiedenen Ausbildungsorten in Deutschland wählen lassen. Solka musste nicht lange nachdenken. „Berlin ist eben Weltstadt“, sagt der Azubi über seinen neuen Lebensmittelpunkt.

Ein Drittel aller Azubis bringt die Ausbildung nicht zu Ende

Der frischgebackene Lehrling ist nur einer von zahlreichen Berufseinsteigern, die ihr Glück in der Hauptstadt suchen. Anja Klatt zum Beispiel stammt von der Insel Usedom und lässt sich bei der Deutschen Klassenlotterie zur Kauffrau für Büromanagement ausbilden. „Ich wollte unbedingt etwas Praktisches in der Tasche haben“, sagt die 16-Jährige. Für ein Studium bleibe später immer noch Zeit. Drei Jahre soll Klatts Lehre dauern – wenn denn alles gut geht. Doch das ist auch in der Hauptstadt keineswegs immer der Fall: In Berlin lösen nach Angaben der hiesigen Industrie- und Handelskammer (IHK) etwa 30 Prozent der derzeit rund 15 000 Berliner Azubis ihre Ausbildungsverträge vorzeitig auf. Zwar setzen einige von ihnen ihre Lehre in einem anderem Betrieb fort oder wechseln die Fachrichtung. Die Abbrecherquote in der Hauptstadt liegt nach Schätzungen dennoch bei 15 bis 20 Prozent. „Die Berliner Wirtschaft kann sich Ausbildungsabbrüche nicht leisten, sagte IHK-Präsidentin Beatrice Kramm am Montag vor 50 Azubis in der Zentrale der Kammer im Ludwig Erhard Haus an der Fasanenstraße. Zu viele junge Menschen in Deutschland strebten immer noch lieber ein Studium an, statt sich in einem Unternehmen ausbilden zu lassen. „Auszubildende sind also ein rares Gut.“

Das Seminar soll den Berufseinstieg erleichtern

Die Berliner IHK bietet seit ein paar Jahren pünktlich zum Ausbildungsstart ein eintägiges Seminar für Azubis an, das Lehrlingen den Berufseinstieg erleichtern, sie frühzeitig miteinander in Kontakt bringen und spätere Ausbildungsabbrüche verhindern soll. In diesem Jahr ist die Veranstaltung ausgebucht, rund 70 große und mittelständische Berliner Ausbildungsbetriebe haben insgesamt 400 Lehrlinge zu dem kostenlosen Seminar angemeldet.

In dem Kurs „Fit für die Berufsausbildung“ klärt eine Trainerin unter anderem rechtliche Fragen der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule und erläutert, an wen sich Azubis wenden können, wenn während der Ausbildung Probleme auftreten. Anlaufstellen dafür können im Unternehmen etwa der Betriebsrat, Ausbilder oder Kollegen sein, die sich als „Paten“ um die Berufseinsteiger kümmern. Auch Berater der IHK stehen als Ansprechpartner in schwierigen Situationen zur Verfügung. „Denken Sie immer daran, dass die Betriebe und Ausbilder eine Menge in Sie investiert haben“, mahnt Coach Carmen Penna am Montag. „Suchen Sie auf jeden Fall das Gespräch und schmeißen nicht gleich alles hin!“

Auch Ausbildungsbetriebe können sich vorab informieren

Neben dem Seminar für Auszubildende bietet die Berliner IHK in diesem Jahr zum ersten Mal auch einen Informationstag für Ausbildungsbetriebe an. Bei der Veranstaltung im Oktober geht es beispielsweise um Rechte und Pflichten der Ausbildungsbetriebe und Lehrlinge, die Organisation der Ausbildung im Betrieb, die Förderung von speziellen Projekten in der Lehre sowie die Vermittlung von sozialen und unternehmerischen Werten. Zudem steht die Lösung von Konflikten zwischen Betrieb und Azubi auf der Agenda.

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