Wirtschaft : Duales System unter Druck

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Von Maurice Shahd

Das Duale System Deutschland (DSD) ist ein politisch gewolltes Monopol. Es wurde 1990 eingerichtet, um die Rücknahme und Entsorgung von Verpackungen zu organisieren. Das Ergebnis ist zweischneidig: Einerseits sind die Deutschen wohl die eifrigsten Mülltrenner der Welt. Andererseits sind die Entsorgungspreise in Deutschland deutlich höher als in anderen europäischen Ländern. Die Bundesregierung hat kurz vor der Wahl wenig Interesse, daran etwas zu ändern. Umweltminister Trittin sieht das DSD als Garant für eine umweltverträgliche Müllentsorgung. Die hohen Entsorgungspreise sind ihm egal. Anders das Bundeskartellamt: Es macht jetzt Druck, um dem 1999 verschärften Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen Geltung zu verschaffen. Zudem sitzt den Kartellwächtern die EU im Nacken. Noch sei die von der EU-Kommission geforderte Öffnung des deutschen Entsorgungsmarktes nicht erreicht, argumentiert das Kartellamt.

Zwar hat das Duale System inzwischen Konkurrenz bekommen, doch die hat es gegen die Marktmacht des DSD schwer. Nach Ansicht des Abfallmonopolisten droht bei einem schärferen Wettbewerb der Zusammenbruch des gesamten Entsorgungssystems. Doch daran glaubt Kartellamtschef Böge nicht. Es würden sich andere Entsorgungslösungen finden. Dass der Druck des Wettbewerbs gut tut, zeigte sich, nachdem einige Handelsketten aus dem Dualen System ausgestiegen sind. Das DSD senkte freiwillig die Preise. Und nach der Ankündigung des Kartellamtes will das DSD jetzt auch mit der Konkurrenz bei der Entsorgung zusammenarbeiten. Offenbar braucht das DSD Druck, um sich zu bewegen.

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