Wirtschaft : Duales System wird Aktiengesellschaft

Geschäftsführer Brück: "DSD ist endgültig wirtschaftlich stabil" /Hauptproblem "Trittbrettfahrer"

BONN(dpa).Das Duale System Deutschland (DSD) hat seine Finanzen konsolidiert und wird rückwirkend zum 1.Januar 1997 von einer GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.Die Änderung der Rechtsform, die die Zukunft des abfallwirtschaftlichen Unternehmens sichern solle, sei von der Gesellschafterversammlung beschlossen worden, erklärte Wolfram Brück, der Vorsitzende der Geschäftsführung, am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens in Bonn.Am Vermögen, der Beteiligungsstruktur und am Unternehmenszweck werde sich durch die veränderte Rechtsform nichts ändern.Die Geschäftsanteile an der GmbH werden in Aktien am Grundkapital der AG (3,01 Mill.) umgewandelt.Dividenden würden auf die Aktien nicht ausgeschüttet."Wir bleiben ein Non-Profit-Unternehmen", sagte Brück.
Das DSD habe ein "außerordentlich erfolgreiches Jahr 1996" vorzuweisen.Die Umsatzerlöse übertrafen mit rund 4,14 Mrd.DM leicht das Niveau von 1995 (4,07 Mrd.DM).Der noch verbliebene Verlustvortrag aus 1995 von rund 385 Mill.DM sei durch den Jahresüberschuß vollständig ausgeglichen worden, erläuterte Brück.Dazu hätten außerordentliche Erträge von rund 133 Mill.DM sowie das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit in Höhe von rund 252 Mill.DM beigetragen.Die vor drei Jahren begonnene Konsolidierung zum Abbau des 1993 entstandenen Jahresfehlbetrags von einer Mrd.DM seien damit abgeschlossen."Das Duale System ist endgültig wirtschaftlich stabil." Das DSD, das nach der Verpaêkungsverordnung bundesweit für das Sammeln und Verwerten von Verpackungsabfällen mit dem Symbol des Grünen Punktes zuständig ist, habe trotz höherer Verwertungsmengen seit Jahren seine Preise konstant gehalten, sagte Brück.Auch die Entsorgungsfirmen müßten nun dazu beitragen, daß es zu keinen Kostensteigerungen komme.Das DSD habe zur Zeit nicht die Absicht, die Lizenzentgelte zu erhöhen.Notwendig sei nun eine "zügige Verabschiedung" der Novelle der Verpackungsverordnung, um auch die "Trittbrettfahrer" - vor allem Bäêkereien, Schlachter, Fast-Food-Ketten und Textilhandel - in die Pflicht zu nehmen, die ihre Verpackungen bisher über das Duale System entsorgen ließen, ohne etwas dafür zu bezahlen.Er bezifferte die Verluste durch solche "Trittbrettfahrer" auf etwa 800 Mill.DM jährlich.
Der Umsatzanstieg 1996 resultiere aus einer Steigerung der Lizenznehmer auf 16 837 (1995: 16 246), sagte Brück.Außerdem seien Nachzahlungen in Höhe von 40 Mill.DM erfolgt.Die noch 1995 negative Eigenkapitalquote von minus vier Prozent sei auf 22 Prozent gestiegen.Auch das Sammelergebnis sei positiv.Die Verbraucher hätten 1996 insgesamt 5,8 Mill.Tonnen - pro Kopf 71,2 Kilogramm - Verpackungen in die Sammelgefäße mit dem Grünen Punkt geworfen.Damit seien 86 Prozent der Verkaufsverpaêkungen erfaßt worden (1995: 75 Prozent).Aus diesem Aufkommen seien 84 Prozent verwertet worden.

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