Dubai : Deutscher Panzer für die Wüste

Tewe Pannier, ein Geschäftsmann aus Berlin, erzählt von Arabien. Warum man in Dubai Mercedes fahren sollte und wo man einen bekommt beschreibt er hier.

Tewe Pannier

Manchmal erschrecken Besucher im Büro, wenn mein Geschäftspartner Nabil den Kopf zur Tür hereinsteckt und fröhlich fragt: „Wo steht die Panzerdivision?“ Das ist kein schlechter Deutschen-Witz – mein libanesischer Freund fragt nach dem Parkplatz, auf dem mein Auto steht.

Vor gut zwei Jahren auf dem Weg zum Toyota-Händler – nach vielen Monaten kleiner Leihwagen wollte ich nun endlich ein vernünftiges Auto leasen – stieß es plötzlich aus Nabil hervor: „Willst du meine Meinung hören?“ Sein Code für: „Du baust Mist!“ Ich bat um seine Meinung – und es sprudelte aus ihm heraus: „Du kannst jetzt unmöglich einen Toyota leasen. Du bist Geschäftsmann! Schlimmer: ein deutscher Geschäftsmann! Du bist außerdem mein Partner. Ein Toyota! Wie sieht denn das aus!“

Das verunsicherte mich. Nabil bog plötzlich und unerwartet ab. Wir fuhren ein paar Kilometer durch die Wüste, Richtung Oman. Dann, hinter einem Autobahnkreuz, in die „Used Car City“, die Stadt der Gebrauchtwagen. Nabil rief mit ausgebreiteten Armen: „Du brauchst einen Mercedes – such dir einen aus!“

Tausende Autos standen hier im Freien, nach Marken, Preisen, Größen sortiert. Nabil führte mich ausschließlich zu Händlern wie „Best Cars“, „German Limos“, „Mercedes World“, „Top-Cars“. Dann, plötzlich, Liebe auf den ersten Blick: ein sehr langes, weißes Auto mit wuchtiger Eleganz! Silberne Plaketten an den Seiten, am Heck und sogar auf dem Schaltknüppel erinnerten immer wieder an die Zahl der Zylinder und ihre Anordnung unter der Motorhaube: V12. Ein Freund in Deutschland nannte mir am Handy den Preis aus der Schwacke-Liste – dieser Mercedes S 600, keine zwölf Jahre alt, sollte in der „Used Car City“ die Hälfte kosten! Und ein Liter Benzin für das durstige Monster kostet hier ein Fünftel!

Eine Stunde später verließen Nabil und ich die „Used Car City“. Bei Daimler, erzählte ich, wäre der interne Spitzname für diese Jahrgänge der S-Klasse „der Panzer“. Nabil gefiel das. Nach kurzem Nachdenken setzte er noch schmunzelnd einen drauf: „Quatsch, du fährst keinen Panzer. Du bist schließlich mein Partner und für mehr gut. Dein neues Auto heißt ab heute ,The Panzerdivision’!“

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.


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