Dubai-Krise : Rettung vom Bruderstaat

Abu Dhabi hilft Dubai mit zehn MIlliarden Dollar aus der Finanzklemme. Die Investoren sind erleichtert.

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Aktien- und Rohstoffmärkte haben am Montag mit Kursgewinnen auf die überraschende Milliardenhilfe für das finanziell klamme Dubai reagiert. Das ölreiche Golfemirat Abu Dhabi greift seinem von hohen Schulden geplagten Nachbarn mit zehn Milliarden Dollar (rund 6,84 Milliarden Euro) unter die Arme. Das Geld werde genutzt, um „einige der demnächst fälligen Verpflichtungen von Dubai World zu erfüllen“, teilte die Regierung von Dubai mit. Zuerst soll die am Montag fällige islamische Anleihe („Sukuk“) der Immobilientochter Nakheel – staatlicher Bauherr der berühmten Palmeninsel – in Höhe von 4,1 Milliarden Dollar bedient werden. Die Börse Dubai schoss am Montag um mehr als zehn Prozent in die Höhe. Der Dax gewann ein Prozent auf 5813 Punkte.

Dubai World hatte seine Investoren am 25. November um einen sechsmonatigen Aufschub für die Rückzahlung seiner Kredite gebeten. Ein Teil der Investoren hat dies jedoch abgelehnt. Dubai World steht bei heimischen und internationalen Gläubigern mit insgesamt rund 60 Milliarden Dollar in der Kreide. Dubai, das selbst kaum über Öl verfügt, hat in den vergangenen Jahren mit zahlreichen spektakulären Bauprojekten Investoren angelockt, dabei aber auch einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Von den insgesamt drei künstlichen Inseln in Palmenform ist bislang nur eine fertiggestellt. Zu weiteren Projekten gehört das Hotel Burj al-Arab in Form eines Segels.

Finanzexperten zeigten sich überrascht von dem Volumen der Geldspritze. „Das ist viel mehr als erwartet. Es ist eine kritische und lebenswichtige Rettungsleine“, sagte Chefvolkswirt John Sfakianakis von der Banque Saudi Fransi- Credit Agricole in der saudischen Hauptstadt Riad. „Das sollte viel Vertrauen zurückbringen – Abu Dhabi zahlt die Rechnung.“ Gleichzeitig warnten die Experten jedoch, dass nur ein erster Schritt zur Lösung der Schuldenkrise unternommen wurde. „In den nächsten zwei Jahren werden 35 Milliarden Dollar in Anleihen und Krediten fällig“, sagte Saud Masud von der Großbank UBS. „Die große Frage ist: Wie schaffen sie den nächsten Schritt?“

Die Finanzprobleme des zuvor als krisensicher geltenden Emirats hatten Investoren rund um den Globus verunsichert. Nach einem Kurseinbruch an der Börse von Dubai waren auch an den wichtigsten Finanzplätzen in Asien, Europa und den USA Aktien verkauft worden.

Am Montag kehrten viele Skeptiker an die Märkte zurück. Die Angst vor einer zweiten Welle der Finanzkrise rückte nach der milliardenschweren Intervention von Abu Dhabi in den Hintergrund. Vor allem Rohstoffe wie Industriemetalle waren gefragt, die seit neun Tagen anhaltende Talfahrt beim Ölpreis verlangsamte sich. Mutigere Anleger ließen den Dollar liegen und sorgten damit für einen Anstieg des Goldpreises – der in den vergangenen Wochen bereits massiv gestiegen war. Zu den Favoriten der Aktienanleger zählten Stahlwerte. „Die Golfemirate sind ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Jetzt gibt es Hoffnung, dass dies der Konjunktur hilft und Aufträge aus der Region Bestand haben“, sagte ein Händler.

Für die weitere Entwicklung des deutschen Aktienmarktes sind Banken mäßig optimistisch. So rechnet die Landesbank Berlin mit einem Dax-Stand von 6100 Punkten in zwölf Monaten. Dies entspricht einem Anstieg von rund fünf Prozent zum aktuellen Niveau von rund 5800 Punkten. In der ersten Jahreshälfte seien auch Index-Stände oberhalb von 6500 Punkten möglich, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Studie der Bank. Privatanleger trauen dem Aktienmarkt indes nicht. Obwohl die meisten weiter steigende Kurse erwarteten, wollten derzeit weniger Privatanleger als noch vor drei Monaten direkt in Aktien investieren, ergab der aktuelle Anlegerindikator der DZ Bank. Danach gehen drei Viertel der Anleger davon aus, dass die Finanzkrise noch andauern wird.

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