Wirtschaft : Dubiose Angebote für Anleger

Daniel Rhee-Piening

Berlin - Rund zehn Prozent des Nettogeldvermögens der privaten Haushalte in Deutschland wurden nach Erkenntnissen des Deutschen Instituts für Anlegerschutz (Dias) in den vergangenen fünf Jahren auf dem Grauen Kapitalmarkt vernichtet. „Das sind rund 250 Milliarden Euro“, sagte Dias-Chef Volker Pietsch am Freitag vor der Presse in Berlin.

Und der Graue Kapitalmarkt, der vom Staat nicht überwacht wird, wächst. Dubiose Anbieter werben vor allem um Investoren, die Geld für ihre private Altersvorsorge anlegen wollen. Die Firmen versprechen eine hohe Rendite und stoßen bei den Bürgern, die die derzeit niedrigen Zinsen als unbefriedigend empfinden, auf offene Ohren. Angeboten werden Produkte mit Namen wie „Order- oder Inhaberschuldverschreibung“, „Anleiheobligation“ sowie „Privatdarlehen“ oder „Kapitalanleihe“. Manche dieser Anleiheformen gibt es auch auf dem „normalen“ Kapitalmarkt, und sie können sich durchaus lohnen. Auf dem Grauen Kapitalmarkt aber sind sie nicht selten sehr gefährlich.

„Den meisten der potenziellen Anleger ist nicht bewusst, dass sie mit ihrer Geldanlage meist völlig unbekannten Firmeninitiatoren einen hoch risikobehafteten Unternehmenskredit gewähren“, sagte Dias-Vorstand Jürgen Kunze, Professor an der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (FHTW). Die gesetzlichen Maßnahmen reichten nicht aus, um die Missstände auf dem Grauen Kapitalmarkt wirksam zu bekämpfen, sagte Kunze weiter. Das Dias fordert deshalb unter anderem eine vom Gesetzgeber vorgeschriebene Klassifizierung der Angebote am Grauen Kapitalmarkt. Die Anbieter müssten dann für ihre Produkte eine Risikoklasse angeben, der Anleger könnte schnell sehen, wie risikoreich sein Engagement ist. Das Dias hat eine Warnliste über gefährliche Angebote des Grauen Kapitalmarktes erstellt. Die „Schwarze Liste“ findet sich im Internet unter www.dias-ev.de. So sollten sicherheitsorientierte Anleger beispielsweise auch um die Berliner Firma Maddrixx einen Bogen machen.

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