Düngemittelkozern K+S in Uganda : Zurück zu den Wurzeln

In Uganda ging im Krieg viel Wissen um den Ackerbau verloren. Nun schult der K+S-Konzern Dorfbewohner im Umgang mit Dünger.

Frank Odenthal[Lira]
Konfliktpotenzial. Viele Ugander sind in Flüchtlingscamps aufgewachsen und kennen die alten Symbole zur Feldbegrenzung nicht mehr. Ein Katasteramt gibt es nicht. So entsteht auch Streit um Land. Foto: AFP
Konfliktpotenzial. Viele Ugander sind in Flüchtlingscamps aufgewachsen und kennen die alten Symbole zur Feldbegrenzung nicht mehr....Foto: AFP

„Mit dem richtigen Saatgut, besseren Kenntnissen der Bodenverhältnisse und einem angemessenen Düngemitteleinsatz könnten sich viele Kleinbauern problemlos selbst versorgen“, behauptet Peter Bauza. Er leitet das „Projekt Afrika“ des Kasseler Düngemittelherstellers K+S in Uganda, einem Land mit „gewaltigem landwirtschaftlichen Potenzial“, wie er sagt. In dem Land wird statistisch weniger als ein Kilogramm Dünger je Hektar verbraucht. Das liegt noch deutlich unter dem Schnitt aller afrikanischen Länder südlich der Sahara (sieben Kilo). Zum Vergleich: In Brasilien, das eine vergleichbare Bodenqualität aufweist, werden laut einer Studie der Welternährungsorganisation FAO jährlich bis zu 290 Kilo Düngemittel pro Hektar aufs Feld gebracht.

K+S, einer der weltweit führenden Hersteller von Mineraldüngern und Salzen, engagiert sich neuerdings in dem ostafrikanischen Land. Vergangenen April unterzeichnete K+S-Chef Norbert Steiner ein Abkommen mit der Sasakawa Africa Association, einem etablierten Beraternetzwerk. Der Name des Gemeinschaftsprojektes, „Growth for Uganda“, ist nicht nur ökonomisch zu verstehen. Ziel ist es, in drei Jahren bis zu 50 000 Kleinbauern in die Lage zu versetzen, ihre Familien von ihren landwirtschaftlichen Erzeugnisse ernähren und zusätzliche Erträge erwirtschaften zu können. Bei einer durchschnittlichen Familiengröße von sieben Mitgliedern in dieser Region würde man bis zu 350 000 Menschen mit dem Projekt erreichen, was etwa einem Prozent der Bevölkerung entspräche.

Von den rund 35 Millionen Ugandern gelten über acht Millionen als mangelernährt. Sasakawa blickt auf eine langjährige Erfahrung in der Beratung kleinbäuerlicher Betriebe in Afrika zurück. Die Organisation wurde 1986 von dem umstrittenen japanischen Industriellen Ryoichi Sasakawa, dem amerikanischen Agrarforscher Norman Borlaug und dem ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter in der Schweiz gegründet. Sie leistet wissenschaftlich fundierte Beratung von Kleinbauern in Sub-Sahara-Afrika. Der heutige Fokus liegt auf den Ländern Mali, Nigeria, Äthiopien und eben Uganda.

In einem abgelegenen Dorf in der Region Lira im Norden des Landes zeigen Peter Bauza und Emmanuel Kayaayo, der Vizedirektor von Sasakawa Uganda, stolz eines der Demonstrationsfelder des Projektes. Ein Drittel des Feldes haben die Bauern auf traditionelle Weise bestellt. „Auf den beiden anderen Dritteln haben wir unser modernes Know-how eingesetzt, einmal mit der optimalen Menge an Düngern und Pflanzenschutzmitteln, einmal mit der halben Menge“, erklärt Bauza. Aussaat in Reihen und unter Einhaltung von Mindestabständen, kleine Erdwälle, die das Regenwasser speichern sollen, die richtige Dosierung der Düngemittel. „Die Bauern erfahren den Unterschied ganz hautnah und können die neuen Techniken übernehmen.“

Besonders wichtig sei es, die Frauen einzubinden. Sie seien es, die die Geschicke der Familien in die Hand nähmen, während sich viele Männer ihrem Schicksal ergäben und ihr Heil im Glücksspiel und im Alkohol suchten, sagt der Projektleiter.

Hilfe gibt es vom gebürtigen Pfälzer Andreas Oswald, der seit 2010 für Sasakawa arbeitet. Er hat an der Universität Gießen Agrarwissenschaft studiert und dort auch promoviert. Bei Sasakawa gilt sein Hauptaugenmerk der Steigerung der Ernteerträge. „Unser Ansatz ist ganzheitlich“, sagt er. „Wir wollen den Bauern nicht nur beibringen, wie man Erdnüsse, Kassava oder Mais anbaut, sondern auch wie man sie richtig lagert und verarbeitet und wie man die Märkte der Region und der Hauptstadt Kampala erreicht.“ Deshalb stünden in den Workshops auch kaufmännische Grundlagen und rechtliche Fragen auf dem Plan. Und man arbeite eng mit Beratern des Landwirtschaftsministeriums und den kommunalen Vertretern zusammen.

Entscheidend, sagt Oswald, sei es, die Bauern bei der Auswahl der geeigneten Produkte und Techniken einzubinden. Nur was man von Grund auf verstanden habe, lasse sich später weiterentwickeln und auf die persönlichen Bedürfnisse abstimmen. „Nur so können die Bauern später auf Veränderungen, wie etwa den Klimawandel, reagieren, wenn das Beratungsprojekt einmal beendet ist.“

So vielversprechend die natürlichen Ressourcen Ugandas erscheinen, so schwierig sind die sozialen Umstände der Menschen. Noch bis vor sechs Jahren tobte hier, im Norden des Landes, ein Bürgerkrieg. Seitdem sind weite Teile der Bevölkerung traumatisiert. Kaum eine Familie, die keine Opfer zu beklagen hätte. „Viele Menschen haben fast zwei Jahrzehnte in Flüchtlingscamps gelebt“, sagt Emmanuel Kayaayo von Sasakawa. „Die traditionellen Techniken zum Ackerbau wurden nicht mehr weitergegeben.“ Die junge Generation ziehe es in die Städte, doch auch dort sei die Arbeitslosigkeit groß. Selbst gut ausgebildete junge Leute würden sich in der Hauptstadt Kampala als Motorradtaxifahrer oder Tagelöhner durchschlagen.

Hinzu kommt ein Problem, das viele Beobachter als eine Zeitbombe beschreiben, nämlich der Konflikt um Landrechte: Viele der jungen Leute, die in den Camps aufwuchsen, kennen die alten Markierungssymbole ihrer Familiengrundstücke nicht und können daher ihre Ackergrenzen nicht mehr bestimmen. Ein Grundbuchamt gibt es nicht, klärende Dokumente, falls sie jemals vorhanden waren, gingen im Krieg verloren. Für eine Bevölkerung, die mehrheitlich vom Ackerbau lebt, bergen Landstreitigkeiten erheblichen sozialen Sprengstoff.

So hängt der Erfolg von Initiativen wie dem Projekt „Growth for Uganda“ auch von einer positiven Entwicklung der politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen ab. Ob dies in einem der ärmsten und korruptesten Länder Afrikas glücken kann, bleibt abzuwarten.

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