Wirtschaft : Dünne Luft für Cargolifter

Henrik Mortsiefer

Von Brandenburg auf den Mond: In seiner letzten Werbekampagne spielte der Luftschiffbauer Cargolifter auf die erste Mondlandung an. Das Management machte damit klar, dass man in der größten Dimension der Luft- und Raumfahrttechnik denke und sich zur ersten Liga in der Branche zählt. Die Voraussetzung dafür fehlte freilich schon damals: Die brandenburgischen Luftschiffe sind bisher noch gar nicht abgehoben. Zum Fliegen gebracht hat Cargolifter-Chef Carl von Gablenz bislang nur die Fantasie der Ingenieure und seiner 65 000 Kleinaktionäre. Die Großen der Luftfahrt - Boeing und Airbus - haben bisher das Risiko gemieden, sich bei Cargolifter zu engagieren. Deshalb fehlen dem Projekt 280 Millionen Euro und hat bis heute noch kein "Kran der Lüfte" Schwertransporte in die Wolken gehoben.

Das Projekt hat trotzdem Charme. Die Luftschiff-Wiedergeburt vor den Toren Berlins gleicht den Abenteuern der Industrialisierung. Und als Cargolifter im Mai 2000 an die Börse ging und rund 300 Millionen Euro einspielte, konnte man glauben, dass die Pioniere nicht nur eine Idee, sondern auch eine Geldquelle gefunden hatten. Doch die Quelle ist versiegt, industrielle Investoren blieben aus und Cargolifter musste seine Zeit- und Finanzierungspläne anpassen. Immer wieder. Schon vor einem halben Jahr bemühte Gablenz den Vergleich mit der Airbus-Produktion und öffentlichen Fördergeldern, um Cargolifter Starthilfe zu geben. Jetzt, nach dem Ausstieg eines Großaktionärs, ruft Gablenz wieder nach dem Staat.

Doch der sollte unsere Steuergelder sinnvoller anlegen. Nur weil die gigantische - mit 40 Millionen Euro geförderte - Montagehalle schon steht, darf die Landesregierung nicht die Löcher in der Cargolifter-Bilanz schließen. Starthilfe ist in Ordnung, eine staatlich geförderte Notlandung nicht. Zuerst muss Cargolifter zeigen, dass es eine realistische Chance für ein tatsächliches Abheben der Luftschiffe gibt und dass der Markt für seine Technologie vorhanden ist. Gelingt ihm dies nicht und finden sich nicht bald potente Investoren, wird die strukturschwache Region die modernste Industrieruine der Republik zu beklagen haben - ob mit oder ohne Begräbniszuschuss.

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