Dürre-Folgen : Massiver Preisanstieg bei Lebensmitteln befürchtet

Die Dürre in den vergangenen Wochen treibt die Preise für Lebensmittel in Deutschland in die Höhe. Einem Zeitungsbericht zufolge könnte der Anstieg bei 20 Prozent liegen.

Berlin - "Besonders betroffen sind Produkte wie Kartoffeln, Gemüse und Getreide", sagte die Klimaexpertin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) der "Welt am Sonntag". Sie rechnet demnach mit Preiserhöhungen von etwa 20 Prozent. Ein noch stärkerer Anstieg hänge davon ab, ob der Sommer ebenfalls so trocken werde, wie es Meteorologen befürchten. Sogar die Bierpreise könnten steigen, warnte laut "WamS" die zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) in Bonn, denn die Sommergerste, aus der Malz gewonnen wird, sei von der Trockenheit ebenfalls betroffen. Auch bei Milch rechnen Experten mit einem Preisaufschlag von 15 Prozent.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) hatte dagegen kürzlich die Einschätzung vertreten, Engpässe wegen der Trockenheit könnten durch Lieferungen aus anderen Erzeugergebieten ausgeglichen werden, so dass sich Preissteigerungen in Grenzen halten würden. Gelassen äußerte sich in der "WamS" auch der Chef des Handelskonzerns Metro, Hans-Joachim Körber: "Wir haben es heute mit europäischen Fruchtmärkten zu tun. Wir müssen nicht nur auf die deutschen Bauern schauen."

Lebensmittelindustrie skeptisch

Skeptisch sieht dies jedoch der Bundesverband der Lebensmittelindustrie (BVE). Geschäftsführerin Sabine Eichner Lisboa verwies darauf, dass es derzeit fast überall auf der Welt Probleme wegen außergewöhnlichen Wetters gebe. Daher bestünden "keine Alternativen auf der Angebotsseite". Sie verlangte Einschränkungen beim Anbau von Energiepflanzen für Biosprit. "Erste Aufgabe der Landwirtschaft muss es sein, die Bevölkerung zu ernähren."

Der SPD-Politiker Ottmar Schreiner forderte wegen der Preissteigerungen bereits eine Anhebung des Regelsatzes für das Arbeitslosengeld II. "Hartz-IV-Leute können einen solchen Anstieg der Lebensmittelpreise nicht verkraften", sagte der Vorsitzende der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen der "WamS". Die Regelsätze müssten daher erhöht werden, "damit die Leute nicht auf einem Stück Holz herumbeißen müssen". (tso/ddp)

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