Wirtschaft : Düsseldorfer Brötchenbäcker Kamps erreicht mit Wendeln europäische Dimensionen

agr/val

Der Bäckereifilialist Kamps steigt in die Backwarenproduktion ein. Und zwar richtig: Mit der zum 1. Januar 2000 geplanten Übernahme der Wendeln Brot- und Backwaren, Garrel, kauft Kamps gleich Deutschlands Nummer Eins und wird zum größten europäischen Backwarenproduzenten mit einem Jahresumsatz von über drei Mrd. DM im Jahr 2000. Eine entsprechende Absichtserklärung haben der Kamps-Vorstand und die Eigentümer der Wendeln-Gruppe bereits Ende vergangener Woche unterzeichnet. Die Anmeldung beim Bundeskartellamt soll in Kürze erfolgen. Den Kauf will Kamps durch eine Kombination aus Kapitalerhöhung und Wandelschuldverschreibung finanzieren.

Auch bei seiner jüngsten Aquisition setzt Kamps auf erhebliche Synergieeffekte. In einer Mitteilung heißt es, dass Kamps als führender deutscher Anbieter von Marken-Backwaren die Produktions- und Distributionskosten beider Unternehmen erheblich senken könne. Jadwiga Bobrowska, Analystin der West LB, geht davon aus, dass Kamps wegen der Fusion im nächsten Jahr Synergien von 130 Mill. DM realisieren kann. Das operative Geschäft von Wendeln werde weiterhin die Geschäftsführer Klaus Ostendorf, Werner Herterich und Karl Schubert leiten. Der Vorstand der Kamps AG soll durch Ostendorf und Herterich verstärkt werden. Wendeln peilt für das Jahr 2000 einen Umsatz von zwei Mrd. DM an. Die Rendite vor Steuern und Zinsen soll bis zum Jahre 2000 auf neun Prozent steigen. 1999 wird sie bei 7,5 Prozent liegen.

Die 1919 gegründete Bäckerei Wendeln ist heute größter Produzent von SB-Backwaren in Deutschland und hat mit ihren Produkten ("Golden Toast") einen Marktanteil von 40 Prozent. Die Familiengesellschaft hat ein rasantes Wachstum hinter sich. 1990 belief sich der Umsatz noch auf 570 Mill. DM. Durch Akquisitionen von Backwarenherstellern wie Weber und Anfang 1998 Lieken ("Lieken Urkorn") hatte das Unternehmen die Marktstellung stark ausgebaut. Bei Wendeln sind über 7130 Mitarbeiter beschäftigt, davon 3600 im Vertrieb.

Kamps zählt weiter zu den Lieblingen der Börsianer. Nach Ankündigung der Übernahme legte die Kamps-Aktie deutlich zu. Auffällig ist allerdings, dass der Kurs der einzigen deutschen Bäckerei-Aktie nach einer Beruhigungsphase in den vergangenen Wochen bereits vor Bekanntgabe der Akquisition von Wendeln stark gestiegen ist. Ein Sprecher des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel erklärte, dass das Amt noch keine Ermittlungen eingeleitet habe.

Mit dem jüngsten Einkaufs-Coup sei Kamps "einer der großen Spieler auf dem europäischen Backmarkt", sagt Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe. Die Betriebe ergänzten sich. Und mit dem hohen Marktanteil von Wendeln in SB-Backwarengeschäften erobere Kamps neues Terrain. Der Boden, auf dem der Düsseldorfer Bäcker steht, sei "solide".

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