Wirtschaft : Düsseldorfer Konzern kauft niederländischen Backwaren-Hersteller Quality Bakers Europe

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Kamps kauft wieder ein: Europas Bäckereiunternehmen wird die niederländische Quality Bakers Europe mit Sitz in Gouda übernehmen. Damit solle in Holland eine Marktposition erreicht werden, die mit Deutschland vergleichbar sei, erklärte ein Kamps-Sprecher am Freitag. Der Düsseldorfer Konzern will die Gruppe gemäß einer gemeinsamen Absichtserklärung rückwirkend zum 1. Januar 2000 übernehmen. Auch der Kamps-Vorstand soll wachsen: Zum 1. März 2000 wird der Niederländer Arent Fock sein Aufsichtsratsmandat bei Kamps niederlegen und stattdessen im Vorstand für das internationale Geschäft verantwortlich sein.

Mit dem Zukauf von Quality Bakers bleibt Kamps seinem Konzept treu: bei Betrieben mit Produktionen rund um die Backware einsteigen, um die Herstellung und den Vertrieb zu bündeln. Quality Bakers ist eine Bäckereigruppe, die sowohl verpackte Backwaren als auch Halbgebackenes, Teiglinge und Kleingebäck herstellt. Im vergangenen Jahr hat die Gruppe mit 1400 Mitarbeitern in neun Produktionsstätten in den Niederlanden und einer in Frankreich einen Umsatz von umgerechnet 350 Millionen Mark erzielt. Im laufenden Geschäftsjahr will Kamps in den Niederlanden insgesamt 600 Millionen Mark an Umsatz erzielen. Seit Januar 1999 gehört auch die niederländische Bakker Bart Food Group zum Düsseldorfer Konzern, der im Geschäftsjahr 1999 einen Umsatz von 820 Millionen Mark erzielt hat. Bakker Bart und Quality Bakers ergänzen sich nach Angaben eines Unternehmenssprechers in gleicher Weise wie Kamps mit der SB-Backwarengruppe Wendeln.

Arent Fock wird das sechste Vorstandsmitglied des Düsseldorfer Back-Konzerns. Der 39jährige Holländer hatte zuvor längere Jahre bei der internationalen Unternehmensberatung Booz-Allen & Hamilton mitgearbeitet. Fock war bereits an den Übernahmen von Bakker Bart und Quality Bakers beteiligt gewesen. Für die nahe Zukunft setzt Fock auf "starkes Management", wie er gegenüber dem Tagesspiegel sagte. "In jedem Land müssen wir ein nationales, gutes Führungsteam haben." Daneben plant das Unternehmen nach Angaben von Fock weitere Übernahmen. "Wir tendieren nach Westeuropa". Auch der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Heiner Kamps, hatte bereits von einer "vollen Pipeline" mit möglichen "Deals" gesprochen. Da Kamps für das Jahr 2000 einen Umsatz von 3,5 bis 4 Milliarden Mark anpeilt und mit seinen neuen Akquisitionen Wendeln und Quality Baker bisher bei einem Umsatz von rund 3,2 Milliarden Mark liegt, dürfte der nächste größere Zukauf noch in diesem Jahr stattfinden. Dies bestätigte ein Kamps-Sprecher.

Befragten Analysten zufolge schaut der Düsseldorfer Großbäcker besonders nach England oder Frankreich. Nach wie vor setzen die Analysten auf die Strategie des Unternehmens. Sie begründen ihr Urteil insbesondere damit, dass das Management in vielen Bäckereibetrieben noch immer verbessert werden kann. Jadwiga Bobrowska, Analystin bei der WestLB, empfiehlt die Kamps-Aktie deswegen auch weiterhin. Für die nächste Zukunft sieht sie nur eine mögliche Schwachstelle: "Das Management könnte dem stetig wachsenden Unternehmen nicht Herr werden."

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