Wirtschaft : Düstere Aussichten für RWE

Allein aus dem Emissionshandel drohen milliardenschwere Belastungen. Aber noch brummt das Geschäft

Jürgen Flauger

Düsseldorf – RWE hat im ersten Quartal 2007 die Prognosen der Analysten deutlich übertroffen. Für die Zukunft muss der Energiekonzern aber mit hohen Risiken wegen der verschärften politischen Rahmenbedingungen rechnen: Allein durch den Emissionshandel drohen milliardenschwere Belastungen. Die anhaltenden Spekulationen um eine Übernahme des Unternehmens sieht die RWE-Führung dagegen gelassen.

„Die energiepolitische Lage und Stimmung erfüllt uns mit Sorge“, sagte Finanzvorstand Rolf Pohlig am Dienstag bei der Präsentation des Zwischenberichts. Konkret äußerte er sich zum Emissionshandel. Das Bundeskabinett hatte jüngst neue Zuteilungsregeln für die zweite Handelsperiode beschlossen, die im kommenden Jahr beginnt. Die Energieversorger müssen anders als in der laufenden Periode die Zertifikate, die zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids berechtigen, schon zu Beginn im großen Stil kaufen. Davon ist RWE besonders hart betroffen, da der Konzern rund 60 Prozent seines Stromes mit Stein- und Braunkohle erzeugt und in Europa mit Abstand der größte Emittent von Kohlendioxid ist.

Nach Pohligs Worten wird RWE ab dem kommenden Jahr 35 bis 40 Prozent der für die Produktion notwendigen Kohlendioxid-Zertifikate zukaufen müssen. Dies entspreche einem Kohlendioxidausstoß von 50 bis 60 Millionen Tonnen. RWE muss sich auf jährliche Kosten von mehr als einer Milliarde Euro einstellen. Für 2007 kalkuliert der Konzern noch mit „deutlich über 100 Millionen Euro“.

Klaus Rauscher, Vorstandschef des Konkurrenten Vattenfall Europe, hatte sich vor einer Woche ähnlich geäußert. Er rechnet mit 500 bis 700 Millionen Euro an Zusatzkosten.

Inwiefern die Kosten auf das Ergebnis durchschlagen werden, lässt sich zwar schlecht abschätzen. Bislang können die Versorger diese zwar weitgehend auf ihre Kunden überwälzen. Das Bundeskartellamt geht aber zur Zeit gegen diese Praxis vor und hat RWE bereits abgemahnt, wogegen der Konzern wiederum Beschwerde eingelegt hat.

Hinzu kommen eine Reihe an weiteren Risiken. Die Bundesregierung wird das Kartellrecht verschärfen, um die Preise im Stromgroßhandel zu deckeln. Dies dürfte RWE als größten deutschen Stromproduzenten besonders treffen. Die Bundesnetzagentur hat zudem die Entgelte, die der Konzern von Konkurrenten für die Nutzung der Netze verlangt, drastisch gekürzt. Allein 2007 rechnet RWE dadurch mit Umsatzeinbußen von 500 Millionen Euro. Außerdem hat die EU-Kommission hat in der vergangenen Woche ein Verfahren eingeleitet, da RWE Konkurrenten den Zugang zum Gasnetz erschwert haben soll, und droht mit hohen Strafen.

Noch brummt aber das Geschäft von RWE. Im ersten Quartal kletterte das Betriebsergebnis um 35 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro. Der Markt habe mit rund 20 Prozent weniger gerechnet, teilten die Analysten von Saal. Oppenheim mit. Die WestLB zeigte sich allerdings davon enttäuscht, dass RWE trotz der guten Zahlen an seinem konservativen Ausblick festhält. Im Gesamtjahr rechnet der Konzern weiter mit einem Ergebnisplus von lediglich zehn Prozent.

Vor allem im Strom- und Gashandel und bei der britischen Tochter erzielte der Konzern im ersten Quartal hohe Gewinne. Im deutschen Vertrieb verringerte sich das operative Ergebnis dagegen um 19 Prozent – zum einen wegen der geringeren Netzentgelte, zum anderen sank der Gasabsatz wegen des vergleichsweise milden Winters. Auch der Ausfall des Atomkraftwerks Biblis, in dem RWE 12 000 defekte Dübel austauschen muss, belastete das Geschäft mit weiteren 260 Millionen Euro.

Die Spekulationen, Electricité de France (EdF) wolle RWE übernehmen, wies Pohlig erneut zurück. Dem Konzern lägen dafür keine Anzeichen vor. (HB)

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