Wirtschaft : Düstere Prognosen für den Automarkt

Bei einem langen Krieg könnte der Absatz auf das Niveau vor der deutschen Einheit fallen – wichtige Monate März und April

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Frankfurt (Main) (hof/HB). Mit zunehmenden Negativmeldungen aus dem Irak schwindet in der Automobilindustrie die Hoffnung auf eine Wende auf dem deutschen Markt. Ausgerechnet in den für die Branche verkaufsstarken Monaten März und April drückt die Krise in Nahost auf den Absatz. Bei einem länger andauernden Krieg mit hohen Verlusten auf Seiten der Amerikaner und Briten könnte die Nachfrage sogar auf den niedrigsten Stand seit eineinhalb Jahrzehnten fallen. Das prognostizieren die Marktexperten von Global Insight Dri Automotive und das Prognoseinstitut Autofuture. Die Hersteller selbst halten sich noch mit Aussagen zurück. VWChef Bernd Pischetsrieder sagte am Mittwoch in Wolfsburg, bislang habe der Krieg keine Auswirkungen auf das Geschäft.

Der Verband der Autoindustrie VDA gibt die Hoffnung nicht auf, dass die Modelloffensive der deutschen Hersteller mit Neuheiten wie dem VW Golf und dem 5er BMW in diesem Jahr die Nachfrage beleben wird. Der März, der wahrscheinlich nur leicht hinter dem allerdings schwachen Vorjahresmonat liegt, scheint den VDA darin zu bestätigen. Doch es mehren sich die Stimmen, die daran zweifeln, dass die Modelloffensive die Bilanz des Gesamtjahres retten kann. „Wenn in verkaufsstarken Monaten der Krieg die Stimmungslage beeinträchtigt, können das auch die vielen neuen Modelle im Herbst nicht mehr ausgleichen“, betont Christoph Stürmer von Global Insight Dri Automotive, auf deren Prognosen sich auch die Hersteller stützen. Stürmer geht in seiner jüngsten Prognose für Deutschland von einem Rückgang der Nachfrage um knapp zwei Prozent aus. In Westeuropa befürchtet Dri Automotive sogar einen Rückgang von vier Prozent – sofern der Irak-Krieg schnell endet.

Bei kriegerischen Auseinandersetzungen, die länger als acht Wochen dauern, zeichnet das Unternehmen ein noch düsteres Szenario. Dann würde der Automobilmarkt in Deutschland für Jahre zurückgeworfen. Einem Rückgang der Nachfrage in diesem Jahr um 5,6 Prozent auf nur noch knapp drei Millionen Fahrzeuge würde nach den Modellrechnungen 2004 ein weiterer Einbruch um 6,2 Prozent auf unter 2,9 Millionen Autos folgen. Das wäre das erste Mal seit 15 Jahren, dass in Deutschland weniger als drei Millionen Fahrzeuge neu zugelassen werden. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöfer, Direktor des Prognoseinstitutes Autofuture, sieht in seinen Worst-Case-Szenarien diese Marke schon in diesem Jahr unterschritten. Bei einem schnellen Kriegsende ist er dagegen optimistisch, dass die Nachfrage in Deutschland schon 2003 wieder steigt.

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