Wirtschaft : Düstere Wolken am Berliner Flughimmel

BERLIN (aho/du-/kt).Die Pläne, Berlin zu einem Luftdrehkreuz auszubauen, haben einen empfindlichen Dämpfer erhalten.Nach Informationen des Tagesspiegels zieht sich nun auch Singapore Airlines aus dem Berlin-Verkehr zurück.Auch die vorgesehene Privatisierung der Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) verzögert sich weiter.Das Bundeskabinett wird das Vertragswerk mit dem vorgesehenen privaten Investor Hochtief am heutigen Mittwoch nicht behandeln.

Die Verträge mit dem vorgesehenen künftigen Betreiber des Flughafens, dem Essener Hochtief-Konzern, sind unterschriftsreif ausgehandelt.Nicht ausgeräumt ist aber der Streit um die künftige Verkehrsanbindung des in Schönefeld geplanten Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI).Nach Informationen des Tagesspiegels zeichnet sich jetzt aber eine Einigung ab.

Koalitionskreise sprechen davon, daß das Verkehrs- und das Finanzministerium an einer "konstruktiven Lösung" arbeiten.Der Bund wolle dabei auch seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen.Die Details der Einigung sind aber noch offen.

Bislang fürchtete Berlin, daß Bonn Finanzrisiken beim Flughafenbau auf die Hauptstadt abwälzen wolle.Dabei geht es um die geplante Autobahn A 113 von Neukölln nach Schönefeld, die bis 2007 fertiggestellt werden soll.Dafür sind 850 Mill.DM notwendig, die Berlin und Brandenburg tragen sollen.Brandenburg will seinen Anteil von 300 Mill.DM finanzieren, indem das Land Mittel aus dem Bundesverkehrswegeplan umleitet.Dieser Weg ist jedoch Berlin versperrt, da das Land keine entsprechenden Bundesmittel erhält.Es müßte dann 550 Mill.DM aus eigener Tasche erbringen.Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe (SPD) forderte deshalb die rot-grüne Bundesregierung kürzlich auf, die bisherigen Zusagen einzuhalten.

Derzeit feilen Vertreter des Verkehrsministeriums an entsprechenden Finanzierungsmodellen.So könnten die Autobahnen möglicherweise erst nach 2007 fertiggestellt sein, da sich das Projekt ohnehin verzögern könnte, heißt es in Koalitionskreisen.Auf Bedenken stoßen allerdings Überlegungen, Grundstücke der Flughäfen in Tegel und Tempelhof zu verkaufen und den Erlös zur Finanzierung der Autobahn einzusetzen.Dies wäre haushaltsrechtlich jedoch problematisch.Eine Vermarktung der Flächen ist bisher erst nach der Einstellung des Flugverkehrs vorgesehen.Nach Angaben von Flughafen-Sprecherin Rosemarie Meichsner ist die Nutzung der Flächen an den Flugverkehr gekoppelt, so lange dieser stattfindet.

Aufgeben müssen die Flughafen-Betreiber zumindest vorläufig die Hoffnung, Berlin zu einem Luftdrehkreuz ausbauen zu können.Die Singapore Airlines (SIA) werden am 25.März ihre Berlin-Dienste einstellen, bestätigte gestern die Reservierungszentrale der Fluggesellschaft.Damit verliert die Stadt ihre letzte große Langstrecken-Linienflugverbindung.Die seit acht Jahren in Schönefeld engagierte Luftverkehrsgesellschaft will ihre Entscheidung am heutigen Mittwoch offiziell bekannt geben.Als Begründung werden wirtschaftliche Gründe genannt.

Am Montag waren bereits die neun Berliner Mitarbeiter, deren Zukunft ungewiß ist, von der Nachricht aus der Firmenzentrale überrascht worden.Zuletzt wurde zweimal wöchentlich via Zürich in die asiatische Metropole gestartet.Gemeinsam mit dem Partner Lufthansa werden künftig Flüge ab Frankfurt angeboten, ein Lufthansa-Zubringer aus Tegel trägt bereits eine SIA-Flugnummer.Die Berlin Brandenburg Flughafen Holding (BBF) wollte sich zum Rückzug der Singapore Airlines gestern nicht äußern.Experten bewerteten den Beschluß als schweren Rückschlag für den Berliner Luftverkehr.

Auch Hochtief als vorgesehener künftiger Betreiber gab gestern keine Stellungnahme ab.Der Konzern hat eine Strategie zum Aufbau eines Drehkreuzes für den Flugverkehr entwickelt.Diese Pläne können allerdings erst nach Vertragsunterzeichnung umgesetzt werden.Ohne Drehkreuzfunktion droht die Finanzierung des Flughafens zu platzen.Gewinne sind vor allem im Umsteigeverkehr zu erzielen.

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