Wirtschaft : Duft wie in guten Vegi-Restaurants

Ursula Weidenfeld

DAS TESTURTEIL 0 Punkte: Hände weg und alle Bekannten warnen, 5 Punkte: Noch mal drüber schlafen, 10 Punkte: Sofort kaufen

Zugegeben, er hatte es schwer. Welcher normal sortierte Haushalt braucht schon einen Reiskocher? Wie oft willst du uns denn ab jetzt Reis vorsetzen, wurde ich gefragt, als ich den grau-chromig gefärbten Topf zu Hause anschleppte. Angesichts der offenbar herrschenden Vorurteile gegen das Testgerät verstaute ich den Topf erst mal neben dem Altpapierkorb. Es dauerte Wochen, bis ich mich erinnerte und der Apparat zum Einsatz kam.

Es war eine absolut überzeugende Leistung. Kocher einstöpseln, Reis mit einem kleinen Messbecher abmessen, Wasser bis zum Eichstrich auffüllen, Dampfüberdruckventil zurechtrücken, auf Start drücken. Schnell entweicht ein zierliches Dampffähnchen, der Reis ist in Arbeit, es riecht angenehm, wie in guten vegetarischen Restaurants. Es gibt einen Abend lang wirklich guten Reis.

Seitdem steht der Kocher wieder neben dem Papierkorb. Das ist das große Manko am Gastroback-Reiskocher zum Preis von um die 45 Euro. Wer nicht täglich Reis isst, verliert ihn aus dem Auge – wie das Waffeleisen für Zimtröllchen, den Schnellkochtopf, die Crèpe-Pfanne. Es ist schon eine traurige Gesellschaft, die man in den eigenen Schränken findet, wenn man sich wieder einmal auf sie besinnt. Der Friedhof der Küchentiere ist leider voll, eine weitere Beerdigung würde er nicht verkraften.

Deshalb wird er keine Chance bekommen, der Reiskocher. Aber für Haushalte mit regelmäßigem Reiskonsum, einem zu kleinen Herd – da ist dieser Kocher ein echter Fang.

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