• Duisenberg bereut Fehler bei der Euro-Einführung Einheitswährung auf Drei-Jahres-Hoch gegenüber dem Dollar

Wirtschaft : Duisenberg bereut Fehler bei der Euro-Einführung Einheitswährung auf Drei-Jahres-Hoch gegenüber dem Dollar

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Berlin (uwe/HB/dpa). Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Wim Duisenberg, hat ein Jahr nach der Einführung des EuroBargeldes erstmals Fehler bei Beurteilung der Euro-Inflation zugegeben. „Wir haben nur zögernd zur Kenntnis genommen, dass die Umstellung in gewissem Maße Preis steigernd gewirkt hat“, sagte Duisenberg nach Angaben der belgischen Zeitung „De Financieel Economische Tijd“ vom Donnerstag. „Wir hätten da einfach ehrlicher sein sollen“, habe Duisenberg dem niederländischen Fernsehsender RTL Z gesagt.

Damit ist die EZB von ihrem bisherigen Kurs abgewichen, wonach die Euro-Bargeldeinführung die Inflation nicht angeheizt habe. Bisher hatte sich die EZB immer auf den Standpunkt gestellt, dass nur die Bürger in Europa und vor allem in Deutschland das Gefühl gehabt hätten, dass mit dem Euro die Preise gestiegen seien. Wäre man ehrlicher gewesen, hätte man vermutlich auch besser erklären können, warum der gesamte Warenkorb, nach dem in Europa die Geldentwertung gemessen wird, sich nicht in dem Maße verändert habe, sagte Duisenberg.

Die Inflation und der rapide schwindende Außenwert der Gemeinschaftswährung gegenüber dem Dollar hatten in den ersten Monaten nach der Bargeld-Umstellung die Verbraucher misstrauisch gemacht. Gegen Jahresende aber pendelt die Inflationsrate der Eurozone wieder knapp über dem Zielwert von zwei Prozent, in Deutschland liegt sie mit 1,3 Prozent deutlich niedriger.

Auch der Außenwert des Euro hat sich in den vergangenen Monaten deutlich stabilisiert. Gegenüber dem Dollar waren dafür zunächst tiefe Konjunktursorgen und die Bilanzfälschungsskandale in den USA verantwortlich. In den letzten Tagen hat der Euro aufgrund der Irak-Krise deutlich zugelegt. Gestern mittag wurde der Referenzkurs bei deutlich über 1,03 Dollar für einen Euro festgestellt. Im Nachmittags-Handel stieg der Euro weiter auf über 1,04 Dollar und erreichte ein Drei-Jahres-Hoch.

Schon warnen die ersten Volkswirte vor negativen Konjunkturfolgen in der Eurozone. Während ein starker Euro den Import verbilligt, werden die Waren und Güter, die aus der Eurozone in den Dollarraum exportiert werden, deutlich teurer. So wird die europäische Ölrechnung trotz des steigenden Weltmarktpreises für Öl deutlich entlastet - es sei denn, der Generalstreik in Venezuela und die Irak-Krise treiben den Preis dauerhaft über dreißig Dollar pro Barrel. Deutsche Exportgüter wie Autos und Maschinen dagegen werden im Dollarraum deutlich teurer.

Zusätzlich belastend wirkt die Schwäche der japanischen Währung gegenüber dem Euro für die europäische Exportwirtschaft. In den vergangenen beiden Jahren hat der Yen gegenüber dem Euro fast vierzig Prozent an Wert verloren. Japanische Hersteller haben in den vergangenen Monaten in Europa deutlich Marktanteile zurückgewonnen. Das japanische Finanzministerium meldete, dass Japan beispielsweise bis September fast 26 Prozent mehr Autos nach Europa als im Vorjahr exportiert habe. Vor allem Autohersteller und Unterhaltungselektronik-Hersteller fürchten eine weitere Zunahme des japanischen Exports in die Eurozone, wenn der Wertverfall des Yen anhält.

Europa als sicherer Hafen

Angesichts der wachsenden Kriegsängste profitieren auch die anderen europäischen Währungen gegenüber dem Dollar. Sowohl das britische Pfund als auch der Schweizer Franken konnten in den vergangenen Tagen deutlich Kursgewinne gegenüber dem Dollar verbuchen. Analysten führen das darauf zurück, dass seit den Terroranschlägen des 11. September das Vertrauen in die USA als sicherer Hafen schwinde. Komme es nun auch noch zu einem Krieg gegen den Irak und nähmen die Auseinandersetzungen mit Nordkorea um die Atomreaktoren an Schärfe zu, gerate zudem noch der US-Staatshaushalt aus der Balance.

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