Wirtschaft : Duisenberg lobt EU-Beitrittskandidaten

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Die Beitrittskandidaten für die Osterweiterung der Europäischen Union haben bei der wirtschaftlichen und strukturellen Annäherung an den Westen "bemerkenswerte Fortschritte" gemacht. Aber sie stehen nach Ansicht von Wim Duisenberg, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), noch vor großen Herausforderungen, um sich letztlich auch für den Euro qualifizieren zu können. Dabei verwies er auf dem Europäischen Bankenkongress unter dem Motto "Der Euro geht nach Osten" auf den vollständigen Übergang zur Marktwirtschaft, auf weitere Privatisierungen und auf eine Stärkung der Institutionen. Duisenberg lobte auch die Erfolge der Beitrittskandidaten bei der Bekämpfung der Inflation, die Ende 2001 bei einer Rate von rund sechs Prozent liegen werde. Weitere Fortschritte würden aber viel schwerer zu erreichen sein.

Unmittelbar nach dem EU-Beitritt müssten die neuen Mitglieder den Wechselkurs ihrer Währung als eine Angelegenheit der gesamten EU betrachten. Ein schneller Beitritt zum Wechselkurssystem der Nicht-Euro-Länder sei dann wünschenswert. Einen Termin für einen Beitritt zur Währungsunion der zehn Länder, die 2005 in die EU aufgenommen werden, nannte er nicht.

Nach Ansicht von Deutsche Bank-Chef Rolf Breuer müssen schon jetzt Strategien für eine deutliche Erweiterung des Euro- Raums erarbeitet werden. "Das alles liegt viel näher als wir denken." Im übrigen komme der Euro in Form von Münzen und Banknoten schon Anfang Januar auch nach Mittel- und Osteuropa. Er könne dort schnell die Rolle der D-Mark einnehmen, die bisher vielen Menschen in dieser Region als persönliche Reservewährung diene.

EU-Kommissar Günter Verheugen bezeichnete die Ost- und Südosterweiterung gerade auch nach den Terroranschlägen in den USA als politisch unverzichtbar, um Stabilität und Frieden in Europa zu sichern. "Dazu gibt es keine Alternative." Bis Ende 2002 werde man die Verhandlungen mit zehn Beitrittskandidaten - Polen, Ungarn, Tschechien, Slowenien, Estland, Slowakei, Lettland, Litauen, Türkei und Zypern - abschließen können. Aus Sicht der Großbanken muss allerdings sichergestellt werden, dass die EU-Institutionen reformiert werden, damit die Gemeinschaft auch mit 25 und mehr Mitgliedern handlungsfähig bleibt. Und die finanziellen Lasten müssen klar sein. "Es darf kein riskantes Abenteuer werden", sagte Dresdner Bank-Vorstandssprecher Bernd Fahrholz.

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