Wirtschaft : Dumpingpreise: Ein Verbot mit Verfallsdatum

Margarita Chiari

Für Schnäppchenjäger im Internet heißt es wieder einmal "Schluss mit lustig". Das so genannte Power-Shopping, also jenes Verkaufssystem, bei dem sich Verbraucher im Netz zusammenschließen, um für ein Produkt möglichst hohe Mengenrabatte herauszuschlagen, ist nach Ansicht der Richter des Landgerichts Köln sittenwidrig. Hier werde nur die "Spiellust" der Verbraucher ausgenutzt, denn schließlich locken Preisabschläge von bis zu 50 Prozent. Und um der Sache noch eins draufzusetzen, haben die Kölner Richter auch ein deftiges Ordnungsgeld verhängt: 500 000 Mark Strafe drohen der Metro-Tochter Primus Online, sollte sie weiterhin solche Angebote ins Netz stellen. Fragt sich nur, wer da geschützt werden soll. Der Verbraucher wohl nicht. Sicher sind Rabatte von bis zu 50 Prozent dazu angetan, so manchen zum Erwerb eines Produktes zu verlocken, das er nicht benötigt. Doch ist dem Käufer im Jahr 2000 wirklich nicht zuzutrauen, dies selbst zu beurteilen? Wer einmal versucht hat, beim Power-Shopping mitzumachen, der weiß, dass der Preisabschlag hart verdient ist.

Es ist erstaunlich, wie hartnäckig einige Richter noch immer Gesetzesregeln von Anfang der 30er Jahre verteidigen, die längst zum Untergang verurteilt sind. Denn spätestens im nächstens Jahr, wenn das deutsche Rabattgesetz auf Grund der Angleichung innerhalb der Europäischen Union geändert wird, wird es solche Urteile nicht mehr geben. Ob Lufthansa-Card oder nun Power-Shopping - die Verbraucher werden sich ein wenig gedulden müssen. Sie werden es verschmerzen können. Denn sicher ist: Es wird bald lustig weitergehen. Die Verbote haben ein Verfallsdatum.

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