Wirtschaft : Dunkle Deals mit grünen Zertifikaten 18 Millionen Schaden, bundesweite Razzia

auf Steuerhinterziehung

J. Flauger[K. Stratmann],S. Shinde[K. Stratmann]

Düsseldorf, Frankfurt, Berlin - Die Ermittler kamen zum Frühstück: Bundesweit klopften am Mittwoch um kurz nach acht Uhr Polizisten und Steuerfahnder bei etwa 230 Wohnungen und Büros an. Auf der Liste der Ermittler standen auch prominente Namen, darunter die Deutsche Bank und eine Tochtergesellschaft des Energiekonzerns RWE. Ziel der Ermittlungen: ein Umsatzsteuerkarussell mit Emissionsrechten, das nach Erkenntnissen der federführenden Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt von etwa 150 Beschuldigten in 50 Firmen gelenkt wurde und einen Schaden von mindestens 180 Millionen Euro verursacht haben soll. Die Ermittler durchsuchten unter anderem Büros der Deutschen Bank und der RWE Tochter Supply & Trading. Die Unternehmen bestätigten dies.

Die Beschuldigten haben sich laut Staatsanwaltschaft den EU-weiten Handel mit Emissionsrechten zunutze gemacht. Das Prinzip funktioniert so: Ein Ausgangslieferant sitzt im EU-Ausland und verkauft Emissionsrechte im Wert von 90 Euro an seine Komplizen in Deutschland. Der erste deutsche Komplize, der „Missing Trader“, ist von der Umsatzsteuer befreit, da es sich um eine EU-Transaktion handelt. Er verkauft die Rechte für 100 Euro weiter an einen Handelspartner („Buffer“), der nicht zwingend mit den Betrügern unter einer Decke steckt, ihnen aber möglicherweise unwillentlich beim Verschleiern der Tat hilft.

Für den Buffer werden 19 Prozent Umsatzsteuer fällig. Der Missing Trader bekommt also 119 Euro. 19 Euro Steuern müsste er ans Finanzamt abführen, das tut er nicht, er hinterzieht die Steuern. Die Emissionsrechte werden an weitere Buffer verkauft. Am Ende steht als „Distributor“ beispielsweise der Mitarbeiter einer Bank, der sich die Umsatzsteuer erstatten lässt. Er verkauft die Emissionsrechte wieder ins Ausland. Der Ausgangslieferant kauft die Rechte zurück und setzt das Karussell erneut in Gang. Durch Umsatzsteuerbetrügereien entgehen dem Fiskus jährlich Milliardenbeträge. J. Flauger, S. Shinde, K. Stratmann

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