Wirtschaft : Durch die Blume

Tewe Pannier

Wer in einem Call-Center oder bei einer Bestell-Telefonnummer anruft, der hört zunächst „Friede sei mit Dir!“. Dann bietet die aufgezeichnete, herzliche Frauenstimme zwei Möglichkeiten an: Die eins drücken für Arabisch, die zwei für Englisch. Noch drücke ich immer die zwei (die Arabisch-Stunden sind nun endlich für nächste Woche gebucht!). Aber die Verschnörkelungen und Girlanden, sie kommen auch noch in der Übersetzung an. „Was darf ich für sie tun, mein Teurer?“, fragt die Frau am anderen Ende, die ich um Rat zu meiner Handy-Rechnung befragen will.

Die Höflichkeit der Araber macht auch die Härten des Lebens weicher. So hat mir Nabil, mein libanesischer Geschäftspartner, in einem Jahr Partnerschaft noch nie richtig widersprochen. Vielmehr arbeitet er mit einem Code, der durch die Blume alles viel angenehmer aber inzwischen ebenso deutlich macht. Fragt er mich zum Beispiel „Willst Du meine Sicht zu dieser Sache hören?“, so denkt er: „Ich stimme überhaupt nicht mit Dir überein“. Höre ich „Wir gehen ganz nach Deinen Wünschen vor“, dann soll es heißen: „Wenn Du darauf bestehst – aber wir machen einen Riesenfehler.“ Sagt er „Ja, so kann man es sehen“, meint er: „Jetzt redest Du aber wirklich totalen Stuss.“

Wer mit Golf-Arabern Geschäfte machen will, muss sich am Anfang eines Termins erst einmal im Begrüßungs-Parcours bewähren: Nach den gegenseitigen Wünschen für Frieden folgt die Frage nach dem Befinden. Anschließend nach dem Befinden der Familie. Dann, ob denn die Geschäfte gut gingen. Mit etwas Pech geht es dann wieder von vorne los: „Geht es Dir wirklich gut? Und bei der Familie wirklich alles klar? Die Geschäfte.....“

Manchmal ist die Höflichkeit aber wirklich nur Formsache und bringt gar keinen Trost. Der Herr in grüner Uniform mit weißer Kordel hatte beobachtet, wie ich – um einen Stau zu vermeiden – ein paar Meter in die falsche Richtung einer Einbahnstraße gefahren war. Leider trägt die Polizei in Dubai solche Uniformen mit Kordel und ein Lächeln gab es auch nicht, als er am Schluss unseres sehr kurzen Gesprächs sagte: „Das kostet 200 Dirham, mein Lieber!“

Der Autor (45) betreibt eine Medienfirma in Dubai und lebt abwechselnd dort und in Berlin.

ein Geschäftsmann

aus Berlin, erzählt von Arabien

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben