Wirtschaft : Durch die Übernahme von Aga AB würde der weltweit viertgrößte Gase-Konzern entstehen

gja / hst

Der Wiesbadener Linde-Konzern hat überraschend die Übernahme des schwedischen Gase-Herstellers Aga AB angekündigt und damit seine Aufholjagd auf dem umkämpften Welt-Gasemarkt eingeleitet. Als zweiten Schritt plant Vorstandschef Gerhard Full nach wie vor, die Mehrheit am deutschen Konkurrenten Messer Griesheim von Hoechst zu übernehmen. "Ende des Jahres, hoffe ich, ist der Deal mit Messer klar", sagte Full dem Handelsblatt.

Bereits in ein bis zwei Monaten soll die Übernahme von Aga über die Bühne gehen, durch die Linde zum zweitgrößten Gase-Konzern in Europa und zur Nummer vier weltweit aufstiege. Die geplante Fusion wird nach Ansicht von Linde die Stellung beider Unternehmen in Märkten stärken, in denen sie gegenwärtig noch unterrepräsentiert sind. Beide Firmen zusammen kommen auf Basis der Zahlen von 1998 auf einen Umsatz von rund 14 Mrd. DM (Linde: 10,7 Mrd. DM), davon über sechs (Linde: 2,8) Mrd. DM mit Gasen. Gemeinsam beschäftigen die beiden Unternehmen im Gase-Geschäft 18 700 Mitarbeiter.

Käme Messer später noch hinzu, würde Linde sogar mit dem US-Konzern Air Products, der erst im Juli gemeinsam mit dem französischen Weltmarktführer Air Liquide die Übernahme der britischen BOC angekündigt hatte, um Weltmarktposition zwei streiten. Die Gasegeschäfte sollen so bald wie möglich zusammengelegt werden.

Um den ersten Schritt, die Übernahme von Aga, zu realisieren, will Linde ein Übernahmeangebot in Höhe von 141 schwedischen Kronen je Aga-Aktie abgeben, woraus sich eine Bewertung für Aga von umgerechnet rund 3,5 Mrd. EUR ergibt. Unabhängig von der Resonanz auf dieses Angebot steht dem Kauf schon jetzt - von der notwendigen Zustimmung der Kartellbehörden- nichts mehr im Wege. Denn Linde hat sich bereits verbindliche Verkaufszusagen von Großaktionären - Gas Vision, AB Industrivärden und Fonds, die mit Svenska Handelsbanken verbunden sind - und damit 62,5 Prozent des Kapitals sowie 62,8 Prozent der Stimmrechte gesichert. Schon vor dieser Transaktion hielt Linde 12,83 Prozent des Aga-Kapitals.

Finanzieren will das Unternehmen den bis zu gut drei Mrd. EUR teuren Kauf der ausstehenden Aga-Aktien zunächst mit einem Überbrückungskredit. Dieser soll durch langfristiges Fremdkapital, eine Kapitalerhöhung und eine Wandelanleihe abgelöst werden. Zum Ausmaß der möglichen Kapitalmaßnahmen schwieg sich das Unternehmen aus. Maximal ließen sich durch Ausübung von genehmigtem und bedingtem Kapital bis zu 2,75 Mrd. EUR mobilisieren.

Wegen der Ungewißheit über das Ausmaß einer möglichen Kapitalerhöhung brach die Linde-Aktie um 5,9 Prozent auf 61,55 EUR ein. Dagegen gewannen die Aga-Titel in Stockholm über 5 Prozent. Analysten bewerteten die angekündigte Übernahme von Aga überwiegend als strategisch sinnvoll.

Zum Ergebniseffekt der Aga-Übernahme machte Full keine Angaben. Linde spricht aber von "nachhaltigen Synergien" und "Chancen für Kosteneinsparungen". Mit größeren kartellrechtlichen Problemen bei dem Aga-Deal rechnet Full nicht. Für den Fall, dass der Doppelschlag gelingt und der Konzern auch bei Messer zum Zuge kommt, erwartet er allerdings Auflagen der Kartellbehörden, denen man mit der Abspaltung einzelner Teile begegnen könnte.

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