Wirtschaft : Durch Fusion von KLM und British Airways entstünde die größte Fluggesellschaft Europas

Wochenlang hatten sie es abgestritten. Am Mittwoch kam die Bestätigung in einer sechszeiligen Mitteilung: "British Airways und KLM haben heute angekündigt, dass sie sich auf Gespräche über eine mögliche Zusammenlegung ihres Geschäfts geeinigt haben." Die auf Sanierungskurs fliegende British Airways (BA) will die niederländische KLM kaufen und so den europäischen Marktführer Deutsche Lufthansa überflügeln.

Da alles noch im Anfangsstadium sei, gebe es keine Garantie für einen Erfolg. Nach britischen Presseberichten fordert KLM einen Kaufpreis von über einer Milliarde Pfund (umgerechnet über drei Milliarden Mark), was etwa 20 Prozent über dem derzeitigen Börsenwert liegen würde.

Der Zusammenschluss würde die größte Fluggesellschaft Europas und die drittgrößte der Welt entstehen lassen. Zusammen hätten BA und KLM einen Wert von über fünf Milliarden Pfund (umgerechnet rund 16 Milliarden Mark), 90.000 Beschäftigte und fast 600 Flugzeuge. 1992 hatten BA und KLM schon einmal über eine Fusion verhandelt, doch damals waren die Gespräche gescheitert, weil die deutlich kleinere KLM kein Juniorpartner sein wollte.

Alle anderen Versuche der Niederländer, ein Bündnis einzugehen, scheiterten aber ebenfalls, zuletzt im April die Allianz mit der italienischen Alitalia. Danach hatte KLM-Chef Leo van Wijk gesagt: "Wir müssen nun auf die Suche nach einem neuen Partner gehen." Die Verhandlungen zwischen BA und KLM sollen mindestens einen Monat dauern. An der Londoner Börse sank die BA-Aktie am Mittwoch um 17 auf 368 Pence. KLM hatte dagegen in den vergangenen Tagen bereits von den Fusionsgerüchten profitiert, die Aktie legte bis zum Mittag noch einmal um 6,6 Prozent auf 29,5 Euro zu.

BA geht es nach britischen Presseberichten vor allem darum, über KLM verstärkten Zugang zum schnell wachsenden Flughafen Amsterdam-Schiphol zu bekommen. Im Gegensatz zu London-Heathrow hat Schiphol große Bedeutung als Transfer-Flughafen. Außerdem erhoffe sich der neue BA-Chef Rod Eddington Einsparungen durch die Zusammenlegung von Verwaltung, Marketing und technischem Bereich. Auch die beiden Billig-Gesellschaften - Go von BA und Buzz von KLM - müssten zusammengehen.

Chris Tarry, ein Luftfahrt-Analyst der Commerzbank, warnte: "Eine Fusion mit KLM würde BA erheblich vergrößern, aber Größe bedeutet nicht unbedingt höhere Gewinne." Eine Genehmigung der Fusion durch die europäischen und US-amerikanischen Wettbewerbsbehörden werde außerdem schwierig sein. Als wahrscheinlich gilt, dass BA und KLM Slots, also Start- und Landezeiten sowie -plätze, auf Schiphol abgeben müssen.

Die Ergebnisse beider Gesellschaften haben sich im vergangenen Geschäftsjahr erheblich verschlechtert. BA rutschte erstmals seit seiner Privatisierung 1987 in die roten Zahlen ab und verzeichnete einen Nettoverlust von 244 Millionen Pfund (805 Millionen Mark). Im selben Zeitraum halbierte sich der Betriebsgewinn von KLM auf 425 Millionen Gulden (374 Millionen Mark). Mit einem Börsenwert von rund 2,5 Milliarden Mark ist KLM wesentlich kleiner als British Airways mit mehr als 13 Milliarden Mark.

Sir Richard Branson, Chef der britischen Fluggesellschaft Virgin Airlines, warf BA vor, ein Monopol anzustreben. "KLM ist zurzeit der europäische Hauptkonkurrent von BA", sagte er. Dazu komme noch, dass auch die US-Partner der beiden Gesellschaften, American Airlines (AA) und Northwest Airlines, über eine Fusion verhandelten. "Zusammen würden BA, AA, Northwest und KLM den Wettbewerb auf Nordatlantikrouten, auf London-Heathrow und im innerbritischen Flugverkehr zerstören", sagte Branson. Mit American Airlines arbeitet BA in der Luftfahrtallianz Oneworld zusammen. Die kleinere Northwest ist eng mit KLM verbunden.

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