Wirtschaft : Dussmann will nach Südkorea

Der neue Unternehmenschef Mark Wössner kündigt aggressives Wachstum an – auch das Kulturkaufhaus wird neu vermarktet

Maurice Shahd

Berlin. Der Dienstleistungskonzern Dussmann will nach einer Schwächephase im Vorjahr wieder zweistellig wachsen. Nach einem Umsatzrückgang in 2002 auf 1,18 Milliarden Euro sollen im laufenden Jahr die Erlöse „um mindestens zehn Prozent steigen“, sagte der neue Dussmann-Chef Frank Wössner im Gespräch mit dem Tagesspiegel am Sonntag. Entsprechend solle auch die Zahl der Mitarbeiter zulegen. „Wir wollen wieder aggressiv wachsen, sowohl im Inland als auch im Ausland“, sagte Wössner. Geplant sei die Ausdehnung der Geschäfte nach Südkorea und die Entwicklung neuer Dienstleistungspakete. Wössner will zudem einen neuen Versuch starten, das Konzept des Berliner Kulturkaufhauses in andere Großstädte zu exportieren.

Firmengründer Peter Dussmann hatte Wössner erst vor wenigen Wochen überraschend an die Spitze des größten deutschen Dienstleistungsunternehmens geholt. Hauptgeschäft von Dussmann ist das Facility Management. Das fängt bei der Gebäudereinigung und Sicherheitsdiensten an und reicht bis zur technischen Steuerung ganzer Bürogebäude und der Versorgung der Angestellten mit Lebensmitteln (Catering). Rund 15 Prozent seines Umsatzes macht Dussmann mit dem Betrieb von Seniorenheimen. Der 62-jährige Wössner, ein ehemaliger Bertelsmann-Manager, folgte Herbert Lutkestratkötter, der das Unternehmen nach nur sechs Monaten verließ. Dem Vernehmen nach hatte die Chemie zwischen Dussmann und Lutkestratkötter nicht gestimmt. Der 64-jährige Unternehmer, der deutschlandweit durch sein Kulturkaufhaus in der Friedrichstraße bekannt wurde, hatte sich nach einem Schlaganfall aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Klar ist, dass er als Alleineigentümer und Chef des Aufsichtsrates eng in das Geschäft eingebunden bleibt.

Wössner soll das Unternehmen nach einer Konsolidierungsphase wieder auf Kurs bringen. Dazu gehört auch die Überlegung, das erfolgreiche Konzept des Dussmann-Kulturkaufhauses zu exportieren. „Wir werden jede Chance ergreifen, in anderen Städten weitere Kulturkaufhäuser zu eröffnen", sagte Wössner. Voraussetzung seien Standorte in Ia-Lagen und Öffnungszeiten bis 22 Uhr. In der Vergangenheit waren entsprechende Pläne genau daran gescheitert. In Berlin kann das Kulturkaufhaus nur dank eines Tricks bis 22 Uhr öffnen. Sämtliche Angestellte wurden zu Prokuristen befördert und dürfen als leitende Angestellte länger arbeiten. Ein Konzept, dass sich wohl nicht problemlos überall umsetzen lässt.

Allerdings macht das Geschäft mit Büchern und CDs nur einen Bruchteil des Dussmann-Umsatzes aus. Als Grund für das schwache Geschäft in der Dienstleistungssparte im vergangenen Jahr nannte Wössner den Verkauf von Randgeschäften. Zudem sei der Preiswettbewerb in der Gebäudereinigung, einem der Kerngeschäfte von Dussmann, schärfer geworden.

Wössner steht in der Dienstleistungsbranche vor wichtigen Herausforderungen. Einerseits wird der Preisdruck bei einfachen Leistungen wie Gebäudereinigung immer größer, andererseits werden die Anforderungen der Kunden beim technischen Gebäudemanagement immer komplexer. Hier konkurriert Dussman mit Baufirmen wie Bilfinger Berger, die das Dienstleistungsgeschäft ebenfalls als Zukunftsmarkt erkannt haben. Ziel von Wössner ist es daher, die verschiedenen Dienstleistungen besser zu vernetzen und in Paketform anzubieten. „Wir wollen den Kunden künftig keine Einzelprodukte verkaufen, sondern eine Gesamtlösung.“ Zusätzliches Geschäft verspricht er sich von staatlichen Auftraggebern. „Wenn die Vorgabe der Politik umgesetzt wird, mehr Ganztagsschulen einzuführen, ist das ein idealer Markt für uns.“ Schließlich müssten Tausende Schüler mit Essen versorgt werden und diese dann auch abgerechnet werden. „Damit sind die Schulen völlig überfordert.“

Für die Expansion will Wössner mehrere Tausend neue Mitarbeiter einstellen. Im vergangenen Jahr war deren Zahl um fast 2800 auf 50 050 gesunken. Das Unternehmen will auch nach der Reform der Minijob-Regelung keine festen Arbeitsplätze in Minijobs umwandeln. Der Dienstleister hatte die Zahl seiner Minijobber in den vergangenen Jahren massiv gesenkt. Deren Anteil liege jetzt bei rund zehn Prozent. „Dabei wird es bleiben“, sagte Wössner.

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