Wirtschaft : Dyckerhoff-Kleinaktionäre sind wütend

jkn/HB

Dem Zementhersteller Dyckerhoff AG steht am heutigen Dienstag eine turbulente Hauptversammlung bevor. Mehrere Aktionärsgruppen sowie der prominente Würzburger Universitätsprofessor Ekkehard Wenger haben Gegenanträge gestellt. Ihnen sind die Modalitäten des Einstiegs von Buzzi Unicem S.p.A. ein Dorn im Auge. Der zweitgrößte italienische Zementhersteller besitzt mittlerweile 34 Prozent der Dyckerhoff-Anteile.

Buzzi war im Sommer des vergangenen Jahres mit rund 30,1 Prozent bei den Wiesbadenern eingestiegen. Dabei boten die Italiener mit rund 75 Euro einen kräftigen Aufschlag zu der damals bei knapp 40 Euro notierenden Stammaktie von Dyckerhoff. Allerdings galt dieses Angebot nur für die Pool-Aktionäre. Dazu gehören neben den 340 Familiengesellschaftern die R+V-Versicherung und die Dresdner Bank. Der Streubesitz ging dagegen leer aus.

Zwar schreibt das neue Übernahmegesetz vor, dass Großaktionäre ab dem Erwerb von 30 Prozent einer Gesellschaft sämtlichen Aktionären ein Angebot unterbreiten müssen. Doch gilt dies nicht, wenn der Einstieg wie im Fall Dyckerhoff vor dem 1. Januar 2002 erfolgte. Auch die Tatsache, dass die Familiengesellschafter eine Option für den Verkauf weiterer Anteile an Buzzi bis 2004 besitzen, ändert daran nichts. Angeblich soll Buzzi für diese Aktien sogar bis zu 84 Euro bieten. Das bringt die Aktionärsschützer in Harnisch. So will Wenger in Sonderprüfungen den Einstieg von Buzzi kritisch hinterfragen und die Chancen auf Schadenersatz sondieren. Außerdem hat er in Gegenanträgen dazu aufgerufen, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Das fordert auch die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Sie lehnt zudem die für den Aufsichtsrat nominierten Kandidaten - darunter drei Mitglieder der Buzzi-Familie - ab.

Ob die Anträge Erfolg haben werden, ist offen. Unklar ist zum Beispiel das Verhalten der ebenfalls ausgebooteten Dyckerhoff-Aktionäre Schwenk Zement KG (11,62 Prozent) und die zu Holcim gehörende Holderfin B.V. (9,96 Prozent). So wird dem Schweizer Baustoff-Konzern Holcim ein eigenes Interesse an Dyckerhoff nachgesagt. Bislang haben sich beide Großaktionäre aber sehr ruhig verhalten, was Beobachter mit einer möglicherweise versprochenen "Entschädigung" erklären.

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