Wirtschaft : E-Business-Wertpapiere: Software-Aktien bleiben riskant

ali/swi

Nach den guten SAP-Zahlen schöpfen Investoren für die Software-Branche neuen Mut. Die erfreuliche Nachricht konnte der Sektor gebrauchen, denn nach den sehr schlechten Zahlen von E-Commerce-Softwareanbieter Intershop warfen Anleger nicht nur die Aktien des Vorzeige-Unternehmens aus dem Depot, sondern verstießen auch die Wettbewerber. Intershop konnten sich zuletztim Windschatten von SAP leicht erholen. Etwas Wirbel gab es um die Meldung, das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel ermittle gegen Intershop. Und auch ein möglicher Rechtsstreit in den USA trägt nicht zur Beruhigung der Lage bei. Das US-Unternehmen Open Market Inc. warf Intershop am Mittwoch Patentrechtsverletzungen vor und kündigte einen Rechtsstreit an. Auf seiner Internet-Seite kündigte Open Market Schritte an, damit seine Patentrechte respektiert werden. Intershop-Sprecher Heiner Schaumann konnte auf Anfrage zum Inhalt einer möglichen Klage nichts sagen. Das ebenfalls an der Technologiebörse Nasdaq gelistete US-Unternehmen ist ein Wettbewerber von Intershop beim E-Business.

Leicht aufwärts ging es zuletzt für den Intershop-Wettbewerber Art Technology; nicht profitieren konnte dagegen die Aktie von Broadvision. Fondsmanager und Analysten warnen: Es sei noch zu früh, sich schon wieder den tief gefallenen Aktien von SoftwareAnbietern zuzuwenden, die Systeme für den Verkauf von Produkten im Internet programmieren. "Investoren sollten zunächst die nächsten Quartalszahlen abwarten", meint Oliver Graf Wrangel von Merck Finck & Co. Auch Michael Fraikin, Fondsmanager des Invesco Neue Märkte, sieht Intershop, Broadvision und Co. noch in der Beweispflicht, dass die Unternehmen nachhaltiges Wachstum generieren können.

"Die Quartalszahlen der Wettbewerber werden zeigen, ob nur Intershop in den USA Schwierigkeiten hat oder ob es auch die anderen trifft", sagt Fraikin. "Technologie-Investoren sollten SAP bevorzugen, um die nächsten Stürme abzuwarten", rät Merijn Nederveen von ABN Amro. Die kleineren Software-Anbieter seien derzeit zu riskant im Verhältnis zu den Gewinnchancen, da noch zu viel Unsicherheit über die IT-Ausgabenvorherrsche, vor allem in den USA. Bei einem großem Wert seien Anleger in dieser Lage besser aufgehoben. Uwe Barth, IT-Analyst bei der Landesbank Baden Württemberg, glaubt, dass die Probleme von Intershop "unternehmensspezifisch" und die Wettbewerber weniger betroffen seien. Intershop habe vor allem Schwierigkeiten, den Vertrieb in den USA aufzubauen. So musste Intershop-Finanzvorstand Wilfried Beeck in der vergangenen Woche eingestehen, dass der Umsatz in den USA im letzten Quartal um rund 80 Prozent hinter den Erwartungen zurück geblieben sei.

"Die US-Unternehmen Broadvision und ATG sind aggressiver im Vertrieb", analysiert er. "Intershop tut sich dagegen schwer bei den großen amerikanischen Unternehmen." Auch Karl-Heinz Gödeckemeyer von Hornblower Fischer kritisiert, dass es Intershop bisher nicht gelungen sei, einen Markennamen in den USA aufzubauen. Da sieht Barth Wettbewerber Broadvision im Vorteil, zumal Broadvision seine Produkte selbst bei den Kunden implentiere. "Das bringt mehr Kundennähe", sagt Barth. Intershop müsse sich dagegen auf zwischengeschaltete Integratoren verlassen. Doch auch bei Broadvision ist der Analyst von der Baden-Württembergischen Landesbank kritisch: "Das Unternehmen macht zwar Gewinn, aber die Gewinndynamik lässt nach."

Der Aktienkurs von Broadvision ist schon vor der Gewinnwarnung von Intershop deutlich nach unten gegangen. Barth begründet den Kursrutsch damit, dass die USInvestmentbank Goldman Sachs den Wert von ihrer Empfehlungsliste genommen habe. Langfristig ist der Analyst aber für die gesamte Branche optimistisch. Das sieht auch Fondsmanager Michael Fraikin von Invesco so, der noch Bestände an Intershop und Broadvision in seinem Fonds hält. Er verweist darauf, dass die Umsatzentwicklung von Intershop in Europa den Erwartungen entsprochen habe. "Aber Intershop muss auch eine starke Stellung in den USA erobern", sagt er. Oliver Graf Wrangel von Merck Finck & Co. spricht zwar auch den E-Business-Softwarehäusern noch Wachstumschancen zu. Aber angesichts der nervösen Lage in den USA kann sich der Aktienexperte noch die eine oder andere Gewinnwarnung aus der Branche vorstellen. Anleger sollten auf der Hut bleiben.

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