Wirtschaft : E-Commerce: Doc Morris profitiert von Verbot

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Einen Monat nach der Einstweiligen Verfügung gegen den Internet-Apotheker Doc Morris kann der sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Aktuell zähle der Online-Apotheker, einschließlich Deutschland, 14 000 kaufende Kunden - "drei Mal so viele, wie vor dem Verbot", sagt eine Sprecherin des holländischen Unternehmens. Das Landgericht Frankfurt (Main) hatte die Internet-Apotheke Doc Morris am 9. Oktober dazu verdonnert, den Versand von Medikamenten nach Deutschland zu unterlassen. Im Falle eines Verstoßes wurde ein Ordnungsgeld bis zu 500 000 Mark angedroht. Doc Morris macht trotzdem weiter - dank einer juristischen Spitzfindigkeit. "Wir haben den Bestell- und den Liefervorgang getrennt", sagt die Sprecherin. "Wer bestellen will, bestellt." Ausgeliefert würden die Medikamente, wie gehabt, innerhalb von 48 Stunden. Einziger Unterschied: Die Kunden müssten nun ihren Kurier selbst auswählen, der die Medikamente zu ihnen nach Hause liefert. Die Kosten dafür übernehme die Online-Apotheke, die damit wirbt, Standard-Arzneien um bis zu 40 Prozent günstiger zu verkaufen als deutsche Apotheken.

Doc Morris könnte bald Rückendeckung von Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer (Bündnis 90/Grüne) bekommen. Für den heutigen Mittwoch hat Fischer Vertreter betroffener Organisationen - darunter die Apotheker, Pharmagroßhändler und Krankenkassen - nach Bonn eingeladen, um das Thema "E-Commerce mit Arzneimitteln" zu erörtern. Dabei, so kündigte sie in der Einladung an, solle es nicht darum gehen, ob E-Commerce mit Arzneimitteln zu akzeptieren ist, sondern darum, "Argumente zur Entscheidungsfindung über geeignete Regelungen" zusammenzutragen. Das Internet, hieß es an anderer Stelle, biete "enorme Chancen, die man gerade hinsichtlich möglicher Kosteneinsparungen nutzen kann".

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