Wirtschaft : E-Commerce: Überlebenschancen für Online-Händler nicht sehr groß

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Von den Onlinehändlern der ersten Stunde werden nur die wenigsten überleben. Diese düstere Prognose wagte der Internet-Experte der Stuttgarter Ernst & Young AG, Armin Sohler, nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zum globalen Onlinehandel, die jetzt in München vorgestellt wurde. Ein Hauptproblem der elektronischen Händler sei der zu geringe Durchschnittsumsatz pro Bestellung von in Deutschland rund 120 Mark. Wie Erfahrungen aus dem herkömmlichen Versandhandel zeigten, seien Orders erst ab einem Wert von 140 bis 150 Mark profitabel abzuwickeln. Angesichts im Onlinehandel dominierender Produkte wie Bücher, Computerzubehör oder CDs sei es sehr schwer, die Mindestsummen zu erreichen, sagte Sohler. "Ich habe Sorge, ob es überhaupt funktioniert", warnte er. Problematisch sei auch, dass viele Firmen, die sich dem E-commerce verschrieben haben, zwar den elektronisch-technischen Teil verstünden, aber vom eigentlichen Handel wenig Ahnung hätten und logistisch überfordert seien.

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In einer globalen Umfrage unter 7200 Online-Kunden hätten viele Käufer mangelnde Lieferfähigkeit gerügt. Hauptkritikpunkte seien ferner die Versandkosten und Vorbehalte gegenüber Online-Bezahlung per Kreditkarte. Die grundsätzliche Bereitschaft, online zu kaufen, steige dagegen immer mehr an. Wenn die Branche ihre Schwierigkeiten überwindet, könne sie bis zum Jahr 2005 weltweit und auch in Deutschland in den Produktgruppen Kleidung, Accessoires und Spielwaren zehn bis zwölf Prozent aller Handelsumsätze über das Internet abwickeln, sagte Sohler. Bei Büchern, Musik und Software seien sogar ein Fünftel bis ein Viertel erreichbar. Derzeit erreiche kaum ein Produkt online zwei Prozent Umsatzanteil.

Für wahrscheinlich hält Ernst & Young, dass die Old Economy in Form herkömmlicher Versandhäuser wie Otto oder Quelle zunehmend auch den elektronischen Handel übernimmt und reine Internetfirmen vorwiegend in strategischen Bündnissen mit etablierten Handelskonzernen und einer Ausweitung ihres Sortiments eine Überlebenschance haben. Moderne Kunden würden die Verkaufsschiene Internet zudem eher akzeptieren, wenn ihr ein stationäres Filialnetz zur Seite stehe, weshalb derzeit viele reine Internethändler wie jüngst der Spielwarenverkäufer E-toys "verheerende Niederlagen" einstecken müssten. Der Umfrage zufolge sind sieben Prozent aller Deutschen derzeit Online-Käufer gegenüber 17 Prozent in den USA.

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