Wirtschaft : E-Plus entscheidet sich gegen Berlin

Der Mobilfunkanbieter bleibt in Düsseldorf. Die höhere Förderung gab den Ausschlag

Nils-Viktor Sorge/Ralf Schönball

Düsseldorf/Berlin - Berlin hat den Kampf um die E-Plus-Unternehmenszentrale und die damit verbundenen 1200 Arbeitsplätze verloren. Der Aufsichtsrat habe beschlossen, dass der Firmensitz in Düsseldorf bleibt, erfuhr der Tagesspiegel am Montagabend aus dem Umfeld des Gremiums. Die Mitarbeiter seien bereits per E-Mail informiert worden. Die Geschäftsführung hatte dem Gremium nach Tagesspiegel-Informationen einen Vorschlag unterbreitet, nach dem der Unternehmenssitz in Düsseldorf bleibt. E-Plus war für eine Stellungnahme am Abend nicht zu erreichen.

Das Unternehmen sucht für seine Unternehmenszentrale ein Gebäude mit etwa 25 000 Quadratmetern, weil der Mietvertrag des derzeitigen Objekts 2008 ausläuft. In Düsseldorf waren zuletzt zwei Freiflächen unweit des Flughafens als mögliche Bauplätze für die neue E-Plus-Zentrale gehandelt worden.

Mit seinem Vorschlag zugunsten Düsseldorfs wollte das E-Plus-Management aber offensichtlich auch der Belegschaft entgegenkommen, die sich gegen einen Umzug vom Rhein an die Spree gesträubt hatte. Die Mitarbeiter hätten ihn als eine weitere bittere Pille empfunden, nachdem E-Plus bereits den Abbau von 300 der bundesweit 2900 Arbeitsplätze im Unternehmen vorantreibt. Zudem will der Mobilfunker Teile der Netztechnik auslagern und so weitere Mitarbeiter von der eigenen Gehaltsliste streichen. Die Unternehmensführung und die niederländische Konzernmutter dürften sich zudem gesorgt haben, mit einem Umzug mehr Mitarbeiter zu verlieren als im Zuge der Sparmaßnahmen gewünscht – etwa an den Konkurrenten Vodafone, der seinen Sitz ebenfalls in Düsseldorf hat.

In Berlin war dem Düsseldorfer Unternehmen unter anderem das frühere „Telekomhochhaus“ am Ernst-Reuter-Platz angeboten worden. Die Immobilie im Besitz der Familie Pepper, die auch das Europa-Center am Breitscheidplatz besitzt, wird saniert und soll zu einem attraktiven Mietpreis angeboten worden sein. Auch ein Neubau in der Nähe des Hauptbahnhofes soll in der engeren Wahl gestanden haben: Gegenüber vom Kanzleramt verfügt die Vivico-Immobilien über Grundstücke, die passgenau auf die Bedürfnisse von E-Plus zugeschnitten worden wären.

Mit diesen günstigen Immobilien-Angeboten hatte Berlin im Städtewettkampf Insidern zufolge zeitweilig die Nase vorn. Denn in Düsseldorf ist es aufgrund der besseren wirtschaftlichen Entwicklung schwerer, in guten Lagen große Büroflächen zu bekommen. Dagegen stehen in Berlin viele Neubauten mangels Nachfrage leer und deren Mieten sind günstig.

„Ich kann mir keinen besseren Standort als Düsseldorf vorstellen“, hatte der neue E-Plus-Geschäftsführer Thorsten Dirks bereits im Januar vor Journalisten gesagt, was jedoch als ironische Bemerkung interpretiert worden war. Bis zuletzt hatte das Rennen zwischen Berlin und Düsseldorf als offen gegolten.

Eine entscheidende Rolle beim Ausgang des Städtewettbewerbs um die Ansiedlung von E-Plus dürften auch die Fördermittel gespielt haben: Bis zuletzt hatten Vertreter der Stadt Düsseldorf und des Landes Nordrhein-Westfalen sowie die Immobilien-Eigentümer die E-Plus-Konzernleitung von den Vorteilen des Standortes am Rhein zu überzeugen versucht. Dabei sollen auch die Fördermittel wiederholt aufgestockt worden sein.

In der Hauptstadt sollen die „Berlin Partner“ den E-Plus-Vertretern mögliche Firmenstandorte in der Stadt vorgestellt haben. Ein Sprecher von Berlin-Partner wollte die Standortentscheidung nicht kommentieren und sprach von „einem laufenden Verfahren“.

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