Wirtschaft : E-Plus gewinnt, O2 verliert

Die Nummer drei der Mobilfunkanbieter trotzt dem Branchentrend – und sticht die Nummer vier aus

Corinna Visser

Berlin - Auf dem deutschen Mobilfunkmarkt hat sich der Wettbewerb immer weiter verschärft. E-Plus, die Nummer drei auf dem deutschen Markt, scheint derzeit mit dieser Situation am besten fertig zu werden. Gegen den Markttrend konnte die Tochter der niederländischen KPN ihren Umsatz und Ertrag zuletzt steigern, während bei der Telefónica- Tochter O2 die Gewinne einbrechen. Beide Firmen legten am Montag ihre Berichte für das abgelaufene Quartal vor.

Bereits in der vergangenen Woche hatte Vodafone trotz deutlicher Kundenzuwächse über sinkende Umsätze berichtet. Die Unternehmen leiden vor allem unter dem starken Preisdruck auf dem deutschen Markt, der unter anderem von einer Vielzahl von Billiganbietern ausgelöst wurde. Viele von diesen Discountern nutzen für ihr Angebot das Netz von E-Plus. Größter Anbieter auf dem deutschen Markt ist nach wie vor die Telekom-Tochter T-Mobile (mit 30,2 Millionen Kunden Ende März), die aber erst kommende Woche ihre Zahlen vorlegen wird. Vodafone kam Ende Juni auf 31,62 Millionen Kunden (plus 800 000 Kunden im Quartal), E-Plus legte um 422 000 Kunden auf jetzt 13,6 Millionen zu, O2 erreichte ein Plus von 374 000 auf jetzt 11,6 Millionen Kunden.

Erfolgreich ist E-Plus mit seinen vielen Partner- und Billigmarken wie etwa Base, Simyo oder Aldi talk. Laut E-Plus- Chef Thorsten Dirks gehören zur Gruppe inzwischen rund 30 verschiedene Marken. Ende Juni telefonierten 5,9 Millionen E-Plus-Kunden über eine dieser Untermarken und damit inzwischen mehr als 43 Prozent aller Kunden im Netz von E-Plus. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode um drei Prozent auf 700 Millionen Euro. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um zehn Prozent auf 293 Millionen Euro zu. Damit arbeitet E-Plus deutlich rentabler als der Konkurrent O2.

O2 Deutschland ist der Schwachpunkt in der Bilanz der spanischen Telefónica. Trotz der deutlich gestiegenen Kundenzahl ging der Mobilfunkumsatz im abgelaufenen Quartal um 3,8 Prozent auf 727 Millionen Euro zurück. Der operative Gewinn halbierte sich sogar auf 98 Millionen Euro. Bei O2 fallen derzeit hohe Kosten für die Restrukturierung und den Abbau von 700 Arbeitsplätzen in Deutschland an. Das Unternehmen bezifferte sie auf 98 Millionen Euro im Quartal. Im vorausgegangenen Quartal von Januar bis März hatte O2 erstmals in der Unternehmensgeschichte einen Umsatzrückgang verzeichnet. Wenige Wochen später hatte der langjährige Deutschland-Chef Rudolf Gröger seinen Posten räumen müssen. Unter dem neuen Chef Jaime Smith soll O2 durch schlankere Strukturen wieder fit für den Wettbewerb gemacht werden. Vom Jobabbau wird die Zentrale in München am stärksten betroffen sein.

Im Gegensatz zu E-Plus arbeitet O2 nur mit zwei Partnern zusammen: Tchibo (913 000 Kunden) und seit kurzem Hansnet (88 Millionen Kunden). Marktführer T-Mobile hat inzwischen auch eine eigene Billigmarke. Am 17. Juli ging Congstar an dem Markt. „Wir fürchten Congstar nicht“, sagte E-Plus-Chef Dirks. „Aber wir nehmen den Wettbewerb sehr ernst.“ Corinna Visser

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