Wirtschaft : EADS: Airbus verhilft zu Gewinnsprung

Beflügelt durch den Airbus hat der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS im ersten Geschäftsjahr seine Gewinnziele übertroffen. Überraschend kündigte der Flugzeugbauer, der 80 Prozent am Airbus hält, in Amsterdam bereits für 2000 eine Dividende von 0,50 Euro je Aktie an. Im laufenden Jahr will der Konzern mit fast 89 000 Beschäftigten seinen Höhenflug fortsetzen. Erwartet wird eine Steigerung beim Umsatz und Ergebnis vor Steuern und Zinsen von jeweils 15 Prozent. "Wir sind die treibende Kraft bei der Konsolidierung der europäischen Luft-, Raumfahrt- und Verteidigungsindustrie", sagte EADS-Co-Chef Rainer Hertrich.

Der EADS-Konzern steigerte im vergangenen Jahr seinen Gewinn vor Steuern und Zinsen um elf Prozent auf 1,34 Milliarden Euro verglichen mit dem um Beteiligungsverkäufe bereinigten Vorjahresertrag, der auf Pro-Forma-Basis errechnet wurde. Der Umsatz kletterte um mehr als sieben Prozent auf 24,2 Milliarden Euro (47,3 Milliarden Mark). EADS ist aus dem Zusammenschluss der deutschen Dasa, der französischen Aerospatiale Matra und der spanischen Casa entstanden und war am 10. Juli 2000 an der Börse gestartet. Der EADS-Kurs zog am Montag zwischenzeitlich weiter auf 23 Euro an, gab dann aber bis zum Nachmittag auf 22,09 Euro nach.

Der EADS-Gewinn stammte praktisch vollständig aus dem Airbus-Geschäft. Der Airbus-Bereich erzielte allein beim Ertrag vor Steuern und Zinsen eine Steigerung um 53 Prozent auf gut 1,4 Milliarden Euro. Zum Konzernumsatz trug das Flugzeugbauprogramm mit 14,9 Milliarden Euro mehr als 60 Prozent bei. Ende 2000 umfasste der gesamte Auftragsbestand 1626 Flugzeuge: "Dies sichert mehr als fünf Jahre Beschäftigung", sagte EADS-Co-Chef Philippe Camus.

Insgesamt trug Airbus 104 Milliarden Euro zum gesamten EADS-Rekordauftragsbestand von fast 132 Milliarden Euro bei. Der Auftragseingang des Konzerns kletterte um 50 Prozent auf 49,1 Milliarden Euro. Bei Umsatz, Ergebnis und der Auftragsentwicklung profitierte EADS auch erheblich vom starken Dollarkurs. Andererseits führten vor allem Währungssicherungsgeschäfte, die in früheren Jahren abgeschlossen wurden, beim EADS-Nettoergebnis erneut zu einem Verlust, der sich auf 909 Millionen Euro nach 1,04 Milliarden Euro im Vorjahr belief.

"Wir haben unsere Ziele trotz der hohen Restrukturierungskosten im Jahr 2000 erreicht. Wir erfüllen unsere Prognosen", sagte Finanzchef Axel Arendt. Eine Änderung der Bilanzierungsregeln solle das Nettoergebnis künftig berechenbarer machen.

Noch ist der Konzernumbau nicht abgeschlossen. Vor allem der Rüstungsbereich, aber auch die Neuordnung der Zentralen und das Militärtransportergeschäft machen noch Verluste. Erst am vergangenen Freitag hatte EADS einen Abbau von etwa 600 Stellen angekündigt, der hauptsächlich die beiden Konzernzentralen in Paris und München trifft. Im Wehrtechnikgeschäft mit einem Umsatzrückgang um fast ein Viertel auf 2,9 Milliarden Euro entstand ein Verlust von 110 Millionen Euro (Vorjahr: 86 Millionen Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen). Bereits im Dezember war im Rüstungsbereich als Folge der schrumpfenden Verteidigungsbudgets angekündigt worden, dass weitere 2200 Stellen bedroht sind. Andererseits werden derzeit beim Airbus deutlich mehr Stellen geschaffen.

Beim Gewinn vor Steuern und Zinsen lag EADS über den Prognosen von Analysten. Dem zufolge äußerten sich Branchenexperten zu den EADS-Ergebnissen positiv: "Die Zahlen sehen gut aus, der Ausblick auf 2001 ist sehr selbstbewusst", sagte Andrew Thomson von Dresdner Kleinwort Wasserstein in Paris. Martina Jung vom Bankhaus Metzler in Frankfurt (Main) sagte, das Ebit habe über ihren Erwartungen gelegen. "Der Nettoverlust hat mich nicht überrascht."

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