EADS-Insideraffäre : Ex-Airbus-Chef Gustav Humbert in Polizeigewahrsam

Die Affäre um mögliche Insidergeschäfte beim Luftfahrt- und Raumfahrtkonzern EADS weitet sich aus. Am Montag haben französische Ermittler mit Ex-Airbus-Chef Gustav Humbert erstmals einen deutschen Manager vorläufig festgenommen.

ParisHumbert sei am Montagnachmittag von Ermittlern verhört und dann in Polizeigewahrsam genommen worden, verlautete aus mit dem Fall befassten Kreisen in Paris. Humbert steht wie 16 weitere amtierende und ehemalige EADS-Manager im Verdacht, Aktien mit Insiderwissen verkauft zu haben. Dabei geht es um die mögliche Kenntnis von nicht veröffentlichten Finanzprognosen und die Lieferverzögerungen beim Super-Airbus A380. Der 58 Jahre alte Humbert hat laut einem Bericht der französischen Finanzmarktaufsicht AMF im November 2005 160.000 EADS-Aktien verkauft, was ihm rund 1,65 Millionen Euro einbrachte. Er hatte die Führung von Airbus im Juni 2005 übernommen, nachdem er dort fünf Jahre lang Nummer zwei gewesen war. Im Juli 2006, wenige Wochen nach Bekanntgabe der Probleme beim Großraumflugzeug A380, musste er seinen Chefposten wieder räumen.

In Frankreich können Verdächtige maximal 48 Stunden in Polizeigewahrsam gehalten werden. Danach muss ein Richter entscheiden, ob gegen sie ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird. Die Pariser Ermittler hatten in den vergangenen Wochen zunächst zwei französische Ex-EADS-Manager zur Befragung in Polizeigewahrsam genommen. Dabei handelte es sich um den ehemalige Airbus- und EADS-Ko-Chef Noël Forgeard und den früheren Strategie- und Marketingvorstand Jean-Paul Gut. Gegen Forgeard und Gut wurden darauf Ermittlungsverfahren eingeleitet; gegen Kautionen von einer Million beziehungsweise 400.000 Euro kamen beide wieder auf freien Fuß. Bisher haben die Ermittler noch keinen der amtierenden EADS-Manager zur Befragung einbestellt, die im Bericht der Finanzaufsicht benannt werden. Unter ihnen befindet sich auch der amtierende Airbus-Chef Thomas Enders. Bei einer Anklage drohen den Führungskräften zwei Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe, die bis zum Zehnfachen des erzielten Gewinns betragen kann. (mfa/AFP)

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