Wirtschaft : EADS kürzt Rüstungsrabatte

Luftfahrtkonzern wirft Politik Planungschaos vor/Schwieriges Jahr 2003 erwartet

-

München (nad). Der europäische Luftfahrt und Rüstungskonzern EADS hat die Rüstungspolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. „Unsere europäischen Nachbarn empfinden Deutschland mehr und mehr als Risiko“, sagte der Co-Vorsitzende des Unternehmens, Rainer Hertrich, am Dienstagabend in München. In anderen Ländern würden die „Zumutungen der deutschen Rüstungspolitik für europäische Kooperationen“ offen missbilligt.

Hertrich kritisierte insbesondere die „andauernde Planungsunsicherheit“ der Bundesregierung. „Das beeinträchtigt die Kooperations- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie dramatisch“, sagte er. Als Beispiel nannte er das Gezerre um den Militärtransporter A400M, von dem die Bundesregierung wegen Geldmangels statt der bestellten 73 Maschinen jetzt nur noch 60 Maschinen kaufen will. „Die Mehrkosten können und werden wir nicht tragen“, stellte Hertrich klar. Einen Sonderrabatt habe Deutschland nur wegen der ursprünglich vorgesehenen hohen Stückzahl bekommen.

Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte vor zwei Wochen gesagt, er rechne beim Stückpreis lediglich mit Mehrkosten von einem Prozent. Ursprünglich hatten die Industrie und sieben europäische Länder den Kauf von 196 Maschinen vereinbart. Auch Portugal, das drei der Flugzeuge bestellt hatte, ist mittlerweile abgesprungen. Hertrich forderte, die Kostenstrukturen der Bundeswehr besser anzupassen. „Die Regierung muss endlich entscheiden, ob sie mit einer großen Bundeswehr schlecht oder mit einer kleinen Bundeswehr ordentlich ausgerüstet sein will“, sagte er mit Blick auf die geplanten Reformen.

Neben der Neubewertung der deutschen Verteidigungsausgaben machen dem deutsch-französisch-spanischen Konzern auch die anhaltend schwache Konjunktur in der weltweiten Zivilluftfahrt und die defizitäre Raumfahrt-Sparte zu schaffen. „Die Raumfahrt ist nicht erst seit dem Unfall der Ariane unser Sorgenkind“, sagte Hertrich. In der vergangenen Woche musste die neue Trägerrakete Ariane 5-Plus wenige Minuten nach dem Start gesprengt werden. Wegen der Flaute in der Telekommunikation habe sich die Zahl der Satelliten von 30 bis 40 in früheren Jahren auf derzeit zehn bis 15 reduziert. Hertrich sprach von einer „tief greifenden Strukturkrise“, betonte aber, EADS werde an der Sparte festhalten. Er zeigte sich zuversichtlich, mit der Raumfahrt im Jahr 2004 wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen. In den ersten neun Monaten 2002 verbuchte die Sparte einen Verlust vor Steuern und Zinsen von 101 Millionen Euro.

Zufrieden zeigte sich Hertrich dagegen mit der größten Geschäftseinheit Airbus. „Wir werden in diesem Jahr wie geplant mindestens 300 Flugzeuge ausliefern“, sagte er. Beim Gesamtumsatz für das Jahr 2002 will EADS sein angekündigtes Ziel von rund 30 Milliarden Euro erreichen. Auch beim Ergebnis vor Steuern und Zinsen liege der Konzern „gut im Plan“.

2003 wird nach Ansicht von Hertrich „ein sehr schwieriges Jahr für uns und für Airbus“. Dennoch bekräftigte er sein Ziel, auch im kommenden Jahr 300 Flugzeuge auszuliefern und damit bei den Produktionszahlen erstmals den Erzkonkurrenten Boeing zu übertreffen. Um die Luftfahrtkrise in den Griff zu bekommen, will EADS bis 2005 noch einmal erheblich Kosten senken. Hertrich deutete an, dass es bei der Raumfahrttochter Astrium nicht bei der bereits verkündeten Streichung von 1200 Stellen bleiben dürfte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar