EADS : Merkel verpasst Sarkozy einen Dämpfer

Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel morgen mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy über die Zukunft des EADS-Konzerns berät, gehen die Interessen weit auseinander. Als sicher gilt nur die Abschaffung der seit Jahren umstrittenen Doppelspitze.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy beraten an diesem Montag über die Zukunft des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS. Am Airbus- Stammsitz im französischen Toulouse wollen sie über effizientere Managementstrukturen und die weitere Finanzierung der EADS-Tochter Airbus beraten. Das Unternehmen soll wettbewerbsfähiger werden im Vergleich zum US-Erzrivalen Boeing.

Unmittelbar vor dem Treffen wies Merkel erneut französische Forderungen nach einem stärkeren staatlichen Einfluss auf die Airbus- Mutter EADS zurück. "Es geht darum, dass das Unternehmen nach unternehmerischen und nicht nach politischen Erwägungen geführt wird", sagte sie dem "Handelsblatt". Bei der EADS-Gründung im Jahr 2000 sei es gemeinsame Annahme gewesen, dass Frankreich seinen Staatsanteil verringere. "Realistisch ist allerdings, dass dies für den französischen Staat kurzfristig eher schwierig ist."

Regierung: Kein Zeitdruck

Die Kanzlerin dämpfte die Erwartungen an das Treffen mit Sarkozy. Es habe mehrere Gespräche zwischen den Anteilseignern gegeben, um effizientere Management-Strukturen zu finden und EADS schlagkräftiger zu machen. "Unser Treffen in Toulouse kann dazu einen Beitrag leisten." Zuvor verlautete aus der deutschen Regierung, bei Gesprächen vor dem Spitzentreffen habe sich noch kein konkretes Ergebnis abgezeichnet. Ob es am Montag bereits weit reichende Vereinbarungen gibt, sei offen. Es bestehe kein Zeitdruck, hieß es.

Die deutsche Seite habe schon früher vorgeschlagen, die Strukturen effizienter zu gestalten, sagte Merkel. "Ich freue mich, dass man darüber nun mit der französischen Regierung sprechen kann." Es sei das gemeinsame Interesse des französischen Präsidenten und ihr, dass das Unternehmen gute Flugzeuge verkaufe und Geld verdiene, betonte die Kanzlerin. "Wir müssen nur aufpassen, dass wir die nötigen Weichenstellungen nicht verpassen, damit dies so bleibt."

Enders bleibt EADS-Chef

Als sicher gilt die Abschaffung der seit Jahren umstrittenen Doppelspitzen im EADS-Management, die zur Wahrung des deutsch-französischen Gleichgewichtes geschaffen wurden. Dem Vernehmen nach soll der Deutsche Thomas Enders alleiniger EADS-Chef werden. Die Franzosen sollen dafür den EADS-Verwaltungsrat sowie Airbus führen. Die Doppelspitze war Teil des EADS-Aktionärspaktes, der das deutsch-französische Machtgefüge genau austariert.

Der Pakt sieht auch vor, dass sich die Regierungen aus der Unternehmensführung heraushalten, auch wenn sie - wie der französische Staat - Großaktionär sind. Maßgeblichen Einfluss haben die industriellen Hauptanteilseigner DaimlerChrysler und die französische Mediengruppe Lagardère. DaimlerChrysler hält 15,0 Prozent, 7,5 Prozent gingen ohne Stimmrecht an ein überwiegend deutsches Konsortium aus Bundesländern und Banken. Der französische Staat hält direkt 15 Prozent, Lagardère hat bereits 7,5 Prozent abgetreten und hält nun noch 7,5 Prozent. Berlin lehnt eine direkte Beteiligung des deutschen Staates ab und setzt auf Privatinvestoren.

Sarkozy hatte zuletzt mehrfach angedeutet, das Machtgefüge aufzubrechen und den Airbus-Mutterkonzern für neue Partner zu öffnen. Kritiker befürchten, dass es der französischen Regierung letztlich darum geht, ihren Anteil zu erhöhen. Dies könnte der Fall sein, wenn sich Lagardère weiter zurückzieht. Die Balance wäre auch gefährdet, sollte Frankreich einseitig eine Kapitalerhöhung durchsetzen. (mit dpa)

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