Wirtschaft : EADS überzeugt die Börse

Der Konzernüberschuss vervierfacht sich. Aber die Auslieferung des A350 muss erneut verschoben werden.

Steffen Weyer

Paris/München - Der reißende Absatz von Flugzeugen und Hubschraubern hat dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS im zweiten Quartal kräftige Zuwächse bei Umsatz und Gewinn beschert. Schlechte Nachrichten gibt es indes für die Kunden des neuen Langstreckenflugzeugs Airbus A350. Die Erstauslieferung des Hightech-Fliegers verschiebt sich aus dem ersten ins zweite Halbjahr 2014. Auch die Flügelprobleme des A380 belasten das Geschäft. Dennoch setzte der neue EADS-Chef Tom Enders die Ziele für 2012 herauf: Die Flugzeugproduktion soll Umsatz und Gewinn kräftig steigen lassen.

Die Aktie reagierte mit einem Sprung nach oben auf die Nachrichten. Das Papier legte mehr als 5,6 Prozent zu und notierte an der Pariser Börse zeitweise an der Spitze des Leitindex CAC 40.

Im zweiten Quartal vervierfachte sich der Konzernüberschuss nahezu von 121 Millionen auf 461 Millionen Euro, obwohl die auf drei Monate taxierte Verspätung der A350 dem Unternehmen eine Sonderbelastung von 124 Millionen Euro eingebrockt hatte. Der Umsatz legte um zwölf Prozent auf 13,5 Milliarden Euro zu. Analysten hatten mit weitaus geringeren Steigerungen gerechnet.

Während die Erlöse im Rüstungsgeschäft wegen knapper Verteidigungsbudgets stagnierten, konnten die wichtigste Konzerntochter Airbus ebenso wie die Hubschraubersparte Eurocopter und die Raumfahrttochter Astrium ihren Umsatz prozentual zweistellig steigern. Beim Gewinn legten die drei Sparten noch deutlicher zu. Vor allem Airbus profitierte dabei von höheren Preisen für die ausgelieferten Maschinen.

Zu schaffen machen dem Flugzeugbauer jedoch technische Probleme beim Flaggschiff A380 und dem neuen Langstreckenflieger A350. Der A350 kommt nun erneut mehrere Monate später als geplant, als Grund nannte der Konzern die Einführung einer neuen Bohrtechnik für die Tragflächen. Das erste flugfähige Exemplar soll ab Oktober zusammengebaut werden. Der Erstflug sei jetzt für Juni oder Juli 2013 geplant, sagte EADS-Chef Enders in einer Telefonkonferenz am Freitag. Wichtig sei, dass die entwickelten Teile reif für die Serienproduktion seien, damit die Fertigung 2014 schnell hochgefahren werden könne.

Die Flügelprobleme der doppelstöckigen A380 bremsen derweil sowohl die Produktion als auch den Bestelleingang. Wegen Haarrissen in Befestigungsklammern im Inneren der Tragflächen müssen insgesamt weit mehr als 100 Maschinen zurück in die Airbus-Hallen. Die sogenannten Wing Ribs werden in Zukunft wieder komplett aus Metall hergestellt, statt wie bisher aus einer leichteren Mischung aus Metall und Kunststoff, sagte Enders. „Das ist bewährte Technik.“ Erst ab 2014 will Airbus neue A380 ohne die anfälligen Teile ausliefern. 30 Exemplare des A380 sollen dieses Jahr fertig werden, im kommenden Jahr dürften es wegen der aufwendigen Reparaturen aber weniger werden.

Die starke Nachfrage vor allem nach den Mittelstreckenfliegern der A320-Familie und der spritsparenden Neuauflage A320neo animierten den Vorstand dennoch zu höheren Zielen. In diesem Jahr sollen statt 570 nun 580 neue Flieger die Werkshallen verlassen. dpa mit dapd

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