Wirtschaft : EADS will 500 Flugzeuge ausliefern

Volle Auftragsbücher, höhere Auslastung – aber der Sparkurs der Regierungen trifft den Luftfahrtkonzern

Berlin/Paris - Die einsetzende Erholung in der Luftfahrtindustrie hebt die Stimmung des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS. Besonders die Tochter Airbus ist nach Milliardenaufträgen auf der Luftfahrtschau in Farnborough in der vergangenen Woche und wegen eines zuletzt wieder etwas stärkeren Dollars zuversichtlicher.

Aufgrund der steigenden Nachfrage nach den Flugzeugen der A320-Familie kündigte Airbus an, die Produktion des Verkaufsschlagers von 34 Jets in mehreren Schritten bis 2012 auf 40 Maschinen monatlich zu erhöhen. Insgesamt will der Boeing-Konkurrent in diesem Jahr rund 500 Flugzeuge ausliefern. EADS erhöhte seine Umsatzprognose für 2010 von rund 43 Milliarden Euro auf mehr als 44 Milliarden Euro. Der Wechselkurs ist für EADS von großer Bedeutung. Flugzeuge werden traditionell in Dollar verkauft, Airbus produziert seine Jets aber hauptsächlich im Euro-Raum. Der von der Schuldenkrise geschwächte Euro hat den Konzern daher auf dem falschen Fuß erwischt, denn teure Absicherungen gegen Kursgewinne der Gemeinschaftswährung erwiesen sich als unnötig. Der operative Gewinn von EADS halbierte sich im ersten Halbjahr auf 406 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet EADS aber weiter mit einem Ebit von rund einer Milliarde Euro.

Am Aktienmarkt kam der Zwischenbericht gut an. Die EADS-Papiere stiegen sowohl in Paris als auch in Frankfurt um knapp drei Prozent. Der Aufwärtstrend bei EADS gehe weiter, schrieben die Analysten von Nomura. Die Quartalsergebnisse seien besser als erwartet und stimmten zuversichtlich. Besonders das immer dickere Auftragsbuch hat es den Börsianern angetan. Allein im ersten Halbjahr kletterte der Auftragseingang vor allem dank Airbus um 79 Prozent auf 30,8 Milliarden Euro. Insgesamt hat der Flugzeugbauer Aufträge für 3355 Verkehrsmaschinen in den Büchern.

Allerdings machen die kostspieligen Probleme beim Super-Airbus A380 dem Konzern weiter zu schaffen. Auch beim Militärtransportflugzeug A400M lässt die abschließende Einigung mit den Bestellnationen weiter auf sich warten. Zudem sei die Entwicklung des Flugelektroniksystems von Thales für die A400M schwieriger als erwartet, teilte der Konzern mit. Budgetkürzungen der Regierungen belasteten insgesamt die Rüstungssparte des Konzerns. Wie andere Unternehmen sei auch EADS davon betroffen, dass die französische Regierung Rechnungen für Rüstungsaufträge nicht bezahle, sagte Finanzvorstand Hans Peter Ring. Auch blieben die Auslieferungszahlen der Tochter Eurocopter hinter denen des Vorjahres zurück, hieß es.

„Waren wir früher vorsichtig optimistisch, sind wir jetzt optimistisch“, sagte Ring. „Wir müssen aber immer noch wachsam sein.“ Der Aufschwung in der Luftfahrt werde vor allem durch Schwellenländer und Leasinggesellschaften getragen. Große Volkswirtschaften wie die USA hinkten der Entwicklung noch hinterher.

Airbus-Rivale Boeing ist trotz des Aufschwungs der Branche noch mit der Bewältigung der Krise beschäftigt. Die hausgemachten Probleme mit dem neuen Langstreckenmodell 787 sind ebenfalls noch nicht ausgestanden. Zudem lieferte Boeing weniger Jets aus, weshalb Gewinn und Umsatz im zweiten Quartal zurückgingen. Boeing erwägt zwar auch, die Produktion mit seinem Verkaufsschlager, der Boeing 737, zu erhöhen. Es ist aber unsicher, ob die Zulieferer in der Lage sind, den Anforderungen von Boeing nachzukommen. rtr

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