Earlybird-Partner im Interview : „Das ist wie ein Dammbruch“

Wolfgang Seibold über Start-up-Investments und ausländisches Kapital in Deutschland.

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Wolfgang Seibold ist Partner des 1997 gegründeten Venture-Investors Earlybird und sitzt im Vorstand des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.
Wolfgang Seibold ist Partner des 1997 gegründeten Venture-Investors Earlybird und sitzt im Vorstand des Bundesverbands Deutscher...Foto: promo

Herr Seibold, Deutschland ist das Land der Ideen, hat einen vielfältigen Mittelstand, angesehene Forschung und Entwicklung. Warum sind die VC-Investoren so zögerlich?

Für die frühen Phasen der Unternehmensgründung wird seit etwa 2005 mehr privates und staatliches Risikokapital angeboten, etwa in der Größenordnung von 450 Millionen Euro. Aber in den Wachstumsphasen junger Firmen, in denen größere, manchmal auch zweistellige Millionenbeträge gebraucht werden, sieht es schlecht aus. Hier sprechen Gründer auch vom „Tal des Todes“, weil sich dort das angebotene Kapital in den letzten Jahren halbiert hat. Das ist wie ein Dammbruch.

Woran liegt das?

Die Infrastruktur aus Pensionsfonds und Stiftungen, die etwa in den USA in diesem Bereich als Anleger aktiv sind, gibt es bei uns gar nicht – nicht zuletzt, weil unser Rentensystem anders organisiert ist. Einen Versicherer wie die Allianz zu einem VC-Investment in Deutschland zu bewegen, ist derzeit fast ein Ding der Unmöglichkeit. Das ist eigentlich traurig.

Aber die internationalen Investoren springen auch nicht ein.

Wir haben bei unseren zuletzt aufgelegten Fonds einen Großteil des Kapitals bei internationalen Anlegern eingesammelt. Darunter waren eine japanische Pensionskasse, ein arabischer Staatsfonds sowie Anleger aus den USA. Das zeigt, dass es geht. Aber Earlybird ist einer von vielleicht fünf deutschen Investoren, denen dies gelingt. In den USA finden Sie 300. Und auch die internationalen Player, die nach Deutschland wollen, fragen: Wo sind eure deutschen Anker-Investoren?

Ja, wo sind sie denn? Muss der Staat hier einspringen?

Das ist ein frommer Wunsch, der nicht in Erfüllung gehen wird – und auch nicht unbedingt sollte. Der Staat sollte vielmehr für international wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen sorgen. Zum Beispiel bei der Behandlung von Verlustvorträgen, die immer anfallen bei Start-up-Investments, oder bei der Besteuerung von Erträgen aus Streubesitzbeteiligungen. Hier macht uns der Staat das Leben schwer.

Wie viel Vertrauen hat Ihre Branche, in der um das Jahr 2000 auch viel Geld verbrannt worden ist, selbst verspielt?

Wir haben zu lange zu wenig gegen das Kapitalvernichter-Image unternommen. Tatsächlich haben einige Investoren in der New Economy Anlegergelder verschleudert. Aber die erfolgreichen VC-Gesellschaften, die heute noch in Deutschland aktiv sind, machen einen seriösen Job – und sie schaffen viele hochqualifizierte Arbeitsplätze bei den Firmen, die sie finanzieren. Darauf müssen wir künftig viel aktiver hinweisen.

Wolfgang Seibold ist Partner des 1997 gegründeten Venture-Investors Earlybird und sitzt im Vorstand des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften.

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