Wirtschaft : Easyjet fliegt auf Berlin

Noch ein Billigflieger will in der Hauptstadtregion expandieren / Vorwürfe gegen Germanwings

Rainer W. During

Berlin - Der britische Billigflieger Easyjet setzt auf Berlin und will seine größte kontinentaleuropäische Basis in Schönefeld weiter ausbauen. Er gehe von zweistelligen Wachstumsraten aus, sagte am Mittwoch Andrew Harrison, seit Ende 2005 Chef von Easyjet. Gegenwärtig werden mit acht hier stationierten Maschinen 28 Zielorte angesteuert, im vergangenen Jahr wurden 2,5 Millionen Passagiere von und nach Berlin befördert.

Der jetzt genehmigte Bau des neuen Flughafens Berlin Brandenburg International (BBI) sei eine große Chance, ihn auf die Bedürfnisse der Zukunft auszulegen, betonte Harrison. Die vom Bundesverwaltungsgericht verordnete Nachtruhe zwischen 24 und 5 Uhr bereitet Easyjet keine Probleme. Kritisch wäre dagegen ein Flugverbot bereits ab 22 Uhr, weil die Maschinen dann unzureichend ausgelastet wären. Für die Zeiten von 22 bis 24 und 5 bis 6 Uhr hat das Gericht einen Bedarfsnachweis verlangt. Diesen glaubt der Flughafen gemeinsam mit den Fluggesellschaften erbringen zu können. Dafür muss allerdings die schriftliche Begründung des Urteils vom 16. März vorliegen. Bis Monatsende soll es so weit sein.

Auch außerhalb Berlins setzt Easyjet auf Expansion. Im Mai stieg das Gesamtpassagieraufkommen um 15,2 Prozent auf 2,9 Millionen Fluggäste an. Rund ein Drittel davon sind Geschäftsreisende. In den vergangenen zwölf Monaten wurden damit 31,7 Millionen Fluggäste befördert, ein Plus von 13,5 Prozent. Die Einnahmen stiegen im gleichen Zeitraum um 21,1 Prozent auf 1,5 Milliarden britische Pfund (rund 2,25 Milliarden Euro).

Trotz des um etwa 50 Prozent gestiegenen Ölpreises wird Easyjet auch künftig keinen Treibstoffzuschlag von den Passagieren verlangen. Man setze auf Einsparungen in anderen Bereichen, sagte Harrison. Für eine Änderung der Gewinnprognose gebe es keinen Anlass. Trotz eines Verlustes von 40 Millionen Pfund in den ersten sechs Monaten geht der Billigflieger danach für das im September endende Geschäftsjahr von einer zehn- bis 15-prozentigen Steigerung des Gewinns vor Steuern aus. Dieser betrug im Geschäftsjahr 2004/2005 rund 68 Millionen Pfund. Für das laufende Kalenderjahr wird mit 35 Millionen Passagieren gerechnet.

Easyjet will auch künftig in jedem Jahr eine neue Basis eröffnen. Geplante Standorte und Flugziele wollte Harrison wegen der Konkurrenz noch nicht nennen. Für die nächsten Jahre geht er von einem rund 15-prozentigen Wachstum vor allem auf dem Kontinent aus. Bezogen auf die in Europa beförderten Passagiere will die bereits viertgrößte europäische Fluggesellschaft 2008 die Lufthansa überrunden. Im vergangenen Jahr beförderten die Deutschen 39,5 Millionen Passagiere.

Das Geschäftsmodell der Billigflieger werde im europäischen Kurzstreckenverkehr die Norm werden, sagte Harrison. Doch nur die Besten könnten im harten Konkurrenzkampf bestehen. Dazu zählt für ihn auch der irische Erzrivale Ryanair. Air Berlin sei mit rund 30 Prozent höheren Durchschnittspreisen kein echter Billigflieger. Nachdem deren Börsengang kein Kapital in erwarteter Höhe brachte, sei auch das Wachstum gebremst, sagte Harrison.

Zu schaffen macht den Briten der Wettbewerber Germanwings. Bei der EU–Kommission in Brüssel hat sich Harrison am Dienstag über eine vermutete, verdeckte Förderung des Konkurrenten durch die Lufthansa beklagt: „Wir sind überzeugt, dass Lufthansa Germanwings quersubventioniert, um die Wettbewerber aus dem Markt zu drängen. Sie wollen die alte Monopolstellung wiederherstellen.“ Sprecher von Lufthansa und Germanwings wiesen die Vorwürfe zurück. Lufthansa hält 49 Prozent der Anteile und eine Stimmenmehrheit bei Eurowings, der Muttergesellschaft von Germanwings.

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