Wirtschaft : Ebay bietet gegen die Gewerkschaften

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Von Henrik Mortsiefer

Ebay tritt die Rechte und Interessen seiner Mitarbeiter mit Füßen. Das sagt die Gewerkschaft Verdi. Doch die Mitarbeiter wollen sich der Klage nicht so recht anschließen – nicht einmal der Betriebsrat. Liegt es daran, dass der verbliebene Star der NewEconomy-Unternehmen in Berlin seine Mitarbeiter einschüchtert. Oder geht es ihnen vielleicht sogar ganz gut?

Leicht hatten es die Gewerkschaften in der New Economy noch nie. Zu ihren erfolgreichsten Zeiten genügten sich die schnellen Internet- und Medienfirmen selbst. Die Arbeitsplätze bei Ebay, Amazon und Co. waren gefragt, weil das Arbeitsklima stimmte. Geschätzt wurden flache Hierarchien, wenig Bürokratie, eine gute, weil erfolgsabhängige Bezahlung und jugendliche Chefs, die nicht wie Vorgesetzte, sondern eher wie Popstars wirkten. Wer wollte da als Angestellter oder freier Mitarbeiter etwas von den Gewerkschaften wissen, deren Image im elektronischen Zeitalter als ziemlich verstaubt galt?

Erst als die Spekulationsblase platzte, schien die Stunde der Arbeitnehmervertreter zu schlagen. Firmen rutschten zuhauf in die Pleite, tausende Arbeitsplätze gingen verloren. Für die Gewerkschaften war das Trauerspiel eine Chance: Betriebsräte wurden gegründet, Mitarbeiter entdeckten plötzlich den Sinn von Mitbestimmung, Tarifverträgen und Sozialplänen.

Doch die Zeiten haben sich schon wieder geändert. Die Popstars haben in den Chefetagen Betriebswirten Platz gemacht, die den Wiederaufbau der Internetwirtschaft übernommen haben. Es geht heute etwas weniger cool zu, es wird wieder mehr gerechnet und auf Effizienz geachtet – und es wird härter gearbeitet. Das gilt auch für Ebay.

Glaubt man der Gewerkschaft, geht es beim Auktionshaus dabei unverhältnismäßig hart zu. Doch mit der Glaubwürdigkeit des Verdi-Ablegers Connex.av ist es so eine Sache. Die „ungewöhnlichen Methoden“ und der hohe finanzielle Aufwand, mit denen die mitgliederschwache Connex.av bei Ebay operiert, wecken den Verdacht, dass die Gewerkschaft nicht redlich argumentiert. Sie sollte jeden Verdacht ausräumen, die Eigenwerbung sei ihr wichtiger als die Interessen der Ebay-Beschäftigten. Erst dann wird vielleicht auch wieder über die Arbeitsbedingungen der neuen New Economy diskutiert.

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