Wirtschaft : Ebay verliert ein Fünftel seines Wertes

Der Gewinnsprung beim Internet-Auktionshaus fällt kleiner aus, als Analysten erwartet hatten. Schwacher Dollar belastet das Geschäft

Henrik Mortsiefer

Berlin - Das weltgrößte Internetauktionshaus Ebay hat seine Aktionäre mit einem Kurssturz an der Börse geschockt. In Frankfurt schmolz am Donnerstag der Börsenwert des Unternehmens um mehr als zehn Milliarden Euro auf rund 43 Milliarden Euro. Im Handelsverlauf brach die Aktie um fast 20 Prozent ein, nachdem der Konzern mit seinem Geschäftsergebnis für 2004 die Erwartungen von Analysten zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren verfehlt hatte.

Ebay zählt neben dem Online-Buchhändler Amazon, dem Internet-Portal Yahoo und der Suchmaschine Google zu den größten und profitabelsten Unternehmen der Branche. An der Börse sind die Aktien – trotz Kursverlusten in den vergangenen Wochen – allerdings so hoch bewertet, dass mancher Analyst vor dem Platzen einer neuen Spekulationsblase warnt. So wird Ebay an der Börse mit dem 56-fachen seines für 2005 erwarteten Gewinns bewertet, bei Yahoo ist es sogar das 71-fache. Entsprechend sensibel reagieren Analysten, wenn die hoch gesteckten Ziele verfehlt werden.

„Ich glaube, die Anleger sind es einfach gewohnt, dass Ebay die Erwartungen an der Wall Street übertrifft, und zwar nicht nur ein bisschen, sondern sehr deutlich“, sagte der Präsident der US-Investmentgesellschaft Leeb Capital Management, Stephen Leeb am Donnerstag. Obwohl Ebay im vergangenen Jahr den Gewinn um 76 Prozent auf rund 778 Millionen Dollar steigerte und auch im Weihnachtsquartal 44 Prozent mehr als im Vorjahr verdiente, geriet der Kurs massiv unter Druck. Vor allem für das letzte Quartal hatten die Analysten Ebay mehr zugetraut. Zur Hauptferienzeit seien die Verkäufe in den Kernmärkten USA und Deutschland langsam angelaufen, hatte das im kalifornischen San José ansässige Unternehmen am Mittwoch nach US-Börsenschluss mitgeteilt. Zudem habe ein schwacher Dollar die Erträge belastet. Der Umsatz kletterte 2004 um 51 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar, im laufenden Jahr soll er um rund eine Milliarde Dollar steigen.

Deutschland ist für Ebay dabei der wichtigste Auslandsmarkt. So wickelt der Konzern Schätzungen zufolge hier etwa ein Fünftel seines gesamten Handelsvolumens ab. Ein Drittel des gesamten Internethandels in Deutschland wird von Ebay bestritten; 10000 professionelle Händler verdienen ihren Lebensunterhalt bei dem Online-Auktionshaus. Im vergangenen Jahr zählte das Unternehmen weltweit 1,4 Milliarden Auktionsposten in einem Gesamtwert von 34,2 Milliarden Dollar. Provisionspflichtig abgerechnet wurden bei Ebay Waren im Wert von 18,9 Milliarden Dollar.

Um des Kundenansturms Herr zu werden – in Deutschland hat Ebay 16 Millionen registrierte Nutzer – baut das Unternehmen seine Zentrale in Deutschland aus. Am Firmensitz in Berlin Dreilinden arbeiten 680 Mitarbeiter. Im Herbst soll ein sechsgeschossiges Bürogebäude fertig werden, das weitere rund 500 Arbeitsplätze beherbergen könnte, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. Errichtet werde der Komplex von den Betreibern des Gewerbegebiets Europarc Dreilinden, Ebay wird als Mieter einziehen.

International will Ebay 2005 seine Investitionen von 200 auf 300 Millionen Dollar erhöhen und dabei vor allem China sowie den Bezahldienst PayPal stärken. „Das ist das Beste, was wir jetzt tun können“, sagte Ebay-Chefin Meg Whitman. „Ich glaube, das Geschäftsmodell ist immer noch sehr intakt“, kommentietre Analyst Michael Koskuba von Victory New Bridge die Expansionspläne. Der Marketingaufwand, den Ebay betreibt, bleibt indes hoch: Allein im Weihnachtsquartal gab das Unternehmen fast jeden dritten eingenommenen Dollar für Werbung aus – insgesamt rund 270 Millionen Dollar.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben