Wirtschaft : Ebay will an die Schätze auf dem Dachboden

Das Internetauktionshaus sieht großes Potenzial in deutschen Haushalten. Aus den Nutzern soll ein Netzwerk entstehen. Ein neuer Auftritt und gesenkte Preise sollen die Attraktivität der Plattform steigern.

Corinna Visser
Ebay
Ebay zeigt sich in neuem Gewande. -Foto: dpa

Berlin - Das Internetauktionshaus Ebay erscheint ab sofort mit komplett neu gestaltetem Auftritt. „Das ist die weitreichendste Veränderung seit unserer Gründung im Jahr 1999“, kündigte Ebay- Deutschland-Chef Stefan Groß-Selbeck am Dienstag im Europarc Dreilinden bei Berlin an. Ebay werde künftig einfacher zu nutzen, billiger, kundenfreundlicher und unterhaltsamer sein. So soll das Einstellen von Produkten für Auktionen mit einem Euro Startpreis künftig inklusive Foto nur noch 49 Cent statt einem Euro kosten. Das Einstellen soll in nur drei Minuten möglich sein. Auch die Produktsuche will Ebay verbessern. Daneben startet das Unternehmen ein neues Community-Angebot, so dass Nutzer nicht nur ihre Produkte, sondern auch sich selbst präsentieren können. Dass Ebay dann künftig theoretisch nicht nur weiß, wer was an wen verkauft, sondern auch, welche Hobbys und Freunde ein Nutzer hat, sieht Marketingchef Harald Eisenächer nicht als Datenschutzproblem. „Wir planen nicht, die Daten zu vermarkten.“

Ebay gehört zu den beliebtesten Internetseiten in Deutschland. Nach Angaben der Internetmarktforscher von Nielsen- Net Ratings war Google im Juli mit 27,6 Millionen Besuchern hierzulande die meistbesuchte Seite im Netz, gefolgt von Ebay mit 18,5 Millionen Besuchern.

Derzeit gebe es in Deutschland 24 Millionen registrierte Ebay-Nutzer, 13 Prozent mehr als vor einem Jahr, sagte Groß- Selbeck. Damit nutze bereits etwa jeder zweite der 40 bis 45 Millionen deutschen Internetnutzer den Marktplatz. Dennoch sieht der Ebay-Chef weiter „großes Potenzial – auch und gerade in unserem Kerngeschäft“. Das ist der Verkauf von privat an privat. In diesem Bereich seien 2006 Waren und Dienste für vier Milliarden Euro über Ebay verkauft worden. „Aus einer Studie wissen wir, dass in jedem der etwa 39 Millionen deutschen Haushalte ungenutzte Gegenstände im Wert von 538 Euro schlummern“, sagte Groß-Selbeck. „Diese Wertgegenstände auf dem Dachboden warten darauf, versilbert zu werden.“

2006 setzte Ebay weltweit sechs Milliarden Dollar um, davon 2,8 Milliarden außerhalb der USA. Zuletzt ist die Zahl der Auktionen jedoch zurückgegangen – auch wegen höherer Gebühren als im Vorjahr. Zudem suchen immer mehr Käufer ihre Produkte bei Google und gehen dann direkt auf die Seite eines Anbieters.

Wie viel das Unternehmen in Deutschland umsetzt, sagt Ebay nicht. Nur so viel: dass Deutschland der größte Ebay-Markt außerhalb der USA sei. Das Versteigern sei hier Volkssport, sagte Groß-Selbeck. Am Standort Dreilinden beschäftigt das Unternehmen mehr als 1100 Mitarbeiter – und will weiter wachsen. „Wir haben derzeit 30 offene Stellen aus allen Bereichen“, sagte Patrick Boos, Geschäftsführer Auktionen. Corinna Visser

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