Wirtschaft : Edelmarken: Spätantike Feldherren mit einem Hauch Parfum

Andreas Oswald

Tränen, Gerissenheit, Rücksichtslosigkeit, elegante Frauen, knallende Champagnerkorken und glänzende Augen der Anleger - es war ein Kampf, der alle Sinne rührte, im Guten wie im Bösen. Sollten sich die Informationen über Gucci bewahrheiten, wäre dies das vorläufige Ende einer schmutzigen Schlachtenfolge, die die "Financial Times" einmal als "Weltkrieg der Luxusmarken" bezeichnet hat. Es war ein Krieg, den es nicht gegeben hätte, wenn nicht drei Männer gegeneinander angetreten wären, deren überschäumendes Ego ihnen befahl, wie spätantike Feldherren in die Schlacht zu ziehen, wenn auch etwas parfümierter: Domenico de Sole, Chef von Gucci, Bernard Arnault, Chef des Luxuskonzerns Louis Vuitton Moet Hennessy (LVMH) und Francois Pinault, der Ex-Sägewerk-Besitzer, der als Selfmademan eines der größten Einzelhandelsimperien Europas aufgebaut hat und seit geraumer Zeit in der Luxusparfumbranche Profite riecht.

Solche Männer gibt es nicht mehr viele in der Wirtschaftswelt. Sie kämpfen ohne Rücksicht auf Verluste, tragen grandiose Siege davon, bringen Außergewöhnliches hervor und erreichen das manchmal durch egomanische Deals, deren Risiken und Verluste so groß sind, dass jedem schwindelig werden kann, der ein paar Aktien von ihnen im Depot hat.

Anleger waren elektrisiert von Gucci. Die eigene Freundin in Gucci-Outfit neben sich, die dazugehörigen Aktien auf Halde und die eigenen Bandscheiben mit einem Gucci-Gürtel zusammengehalten, so läuft macher mit erhobenem Rückgrat durch die Welt.

Wenn drei Feldherren ein Schlachtfeld betreten, wird es kompliziert. Das ist so, als würden plötzlich drei Schachspieler auf einem Brett gegeneinander antreten. Im Bereich der Moden und des Luxus kam es in den vergangenen Jahren zu einem einzigartigen Konzentrationsprozess. Alte, gute Firmennamen, von ihren Gründern zu Grunde gerichtet, wurden systematisch aufgekauft. Eine dieser Firmen schaffte die Wende und wurde zu einem der großen Player: Gucci. Firmenchef De Sole gelang es, zusammen mit dem Designer- und Marketing-Genie Tom Ford die Marke Gucci zu einem der ersten Häuser der Branche zu machen, und das in denkbar kurzer Zeit. Alles, was die beiden anfassten, wurde zu Gold. Sie kauften viele andere Marken und machten sie zu hochprofitablen Unternehmen. Sie schnappten dabei eins ums andere Mal einen Fisch direkt vor der Nase des Gegners LVMH weg.

Wie bei Stella McCartney. Wie bei dem Enfant terrible Alexander McQueen, der 51 Prozent an seiner eigenen Marke an Gucci verkaufte - zu einem Zeitpunkt, als er noch bei Givenchy unter Vertrag war, einer Marke, die Arnaulds LVMH gehört. Da ging es den Egomanen ums Gesichtwahren: Arnauld schlug zurück, sagte Givenchy-Schauen von Alexander McQueen ab. Die Verkündung von McQueens Nachfolge legte Arnault so, dass sie die große Ankündigung der Männer-Kollektion von Yves-Saint Laurent überschattete, der zum Gucci-Lager gehört. Auch zog Gucci den Kürzeren, als es um Fendi ging. Und als Arnault Prada kaufte, legte er den sagenhaften Preis von 950 Millionen Dollar hin. Die Preise, die für solche Übernahmen gezahlt wurden, hatten weniger mit wirtschaftlichen Realitäten zu tun, als mit der Persönlichkeit der Gegner, die um alles in der Welt als Sieger dastehen wollen. Zu welchem der Kontrahenten sollte der Zuschauer halten? Zu Gucci, deren Klamotten die eigene Freundin trägt? Zu Arnault, dessen Dior-Kleider so teuer sind, dass man sie der Freundin nicht kaufen kann? Zu Pinault, dem alten Sägefabrik-Besitzer?

Schließlich ging es ums Ganze. Arnauld wollte seinen Gegner Gucci, kaufte heimlich, manche sagen heimtückisch, Aktien auf, und als er 34 Prozent hatte, baute er sich triumphierend vor seinem Gegner de Sole auf. Der schlug zurück. Mit einer Kapitalerhöhung, die den Arnault-Anteil auf 20 Prozent schrumpfen ließ und einem Verbündeten: Pinault. Der kaufte ein dickes Paket von Gucci und schützte die Marke vor einer Übernahme. Jetzt kauft Pinault die Arnault-Anteile. Der macht kräftig dabei Kasse und gibt Gucci im Gegenzug frei.

Wenn die Verhandlungen gut gehen, wird eine Parteinahme überflüssig. Die Kontrahenten werden alle daran verdienen. Mit den Kleidern, wie wir von ihren Kurssteigerungen bezahlen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar