EDITORIAL : Darauf passt kein Preisschild

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Peter Altmaier, der selbst ernannte Energiewendeminister der Bundesregierung, nennt das Projekt gern „das größte seit dem Wiederaufbau nach dem Krieg“ oder „das größte seit dem Aufbau Ostdeutschlands“. Diese Vergleiche hinken gewaltig; Historiker dürfen die Stirn runzeln. Doch Altmaiers Sätze drücken die Sehnsucht aus, die Dimensionen eines Generationenprojektes greifen, ja begreifen, zu können. Der Versuch ist legitim – auch wenn er scheitern muss.

So hat schon manches Institut versucht, die Energiewende in Zahlen zu gießen. Die meisten Studien haben dabei mehr über die politische Motivlage der Auftraggeber offenbart, als dass sie einen ökonomischen Erkenntnisgewinn gebracht hätten. Womit will man die Summen, die jährlich im Sinne des EEG an Grünstromerzeuger ausgeschüttet werden, in Relation setzen? Mit den Mitteln aus dem Marshallplan oder den Milliarden des Soli-Zuschlags? Das bringt niemanden weiter. Finden wir uns damit ab: Auch an die Energiewende passt kein Preisschild.

Das ist keine Einladung zur Geldverschwendung, man kann den Umbau der Energieversorgung nicht dauerhaft über den Strompreis oder Steuermittel finanzieren. Nur wie? Eine Bundesregierung – welche auch immer – wird die Antwort nicht liefern. Wir alle sind gefragt: als Bürger und Konsumenten, als Forscher und Entwickler, als Berichterstatter und Entscheidungsträger. Wir müssen reden.

Gelegenheit bieten Veranstaltungen wie der Siemens Energiewende-Dialog, der vom 3. bis 11. Juni unweit des Tagesspiegel-Verlagshauses am Berliner Tempodrom stattfindet. Der Tagesspiegel nimmt die Veranstaltung zum Anlass, in einer vierteiligen Serie ab heute Geschäftsmodelle, Ideen, Projekte und technologische Lösungen der Energiewende vorzustellen – und einige Menschen, die dahinterstehen. Kevin P. Hoffmann

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