Wirtschaft : Editorial: Flughafensicherheit - wie in Israel

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Es war in Boston. Am Logan Airport versagten am 11. September die Sicherheitskontrollen. Zehn Entführer enterten zwei Flugzeuge und flogen ins World Trade Center. Gerade Logan könnte jetzt aber eine Lösung für mehr Sicherheit im Flugverkehr anbieten - dort nämlich wendet man auf der Suche nach Antworten den Blick nach Israel.

Zuerst wurde der Sicherheitschef von Logan entlassen. Seine hauptsächliche Qualifikation bestand bislang darin, dem früheren Gouverneur Paul Cellucci als Fahrer zur Verfügung zu stehen. Stattdessen wurde Rafi Ron eingestellt, der fünf Jahre lang Sicherheitschef am Ben Gurion Airport in Israel war. Der US-Kongress täte gut daran, das zur Kenntnis zu nehmen. Doch im Kongress wird zurzeit ein ebenso erbitterter wie überflüssiger Streit darüber geführt, ob das Personal, das die Gepäckstücke kontrolliert, vom Bund beschäftigt werden muss.

Ron übernahm seinen Posten am Ben Gurion Airport 1996 und führte eine teilweise Privatisierung durch: Der Staat war zwar nach wie vor für die Sicherheitsbestimmungen und deren Einhaltung zuständig. Mit der Gepäckkontrolle und anderen Sicherheitsaufgaben wurde aber ein privates Unternehmen beauftragt. Partnerschaften zwischen Staat und Privatunternehmen sind bei der Flughafensicherheit übrigens auch in Europa üblicher Standard. Und hier gab es in den ganzen 90er Jahren nur vier Flugzeugentführungen.

Die privaten Firmen, die an gefährdeten Flughäfen wie etwa Belfast für Sicherheit sorgen, übernehmen auch Sicherheitsdienste für das Europäische Parlament und die Nato. Das europäische Modell entlastet die Fluggesellschaften im Bereich der Sicherheit. Das ist ein ganz wesentlicher Unterschied zu dem, was derzeit an den US-Flughäfen praktiziert wird. Denn die US-Fluggesellschaften haben ihr Augenmerk auf Kostensenkung und Komfort gerichtet. Sicherheit steht auf einem anderen Blatt. Hier hätte sich die Bundesluftfahrtbehörde (FAA) einschalten müssen. Doch die versäumte es fünf Jahre lang, der Forderung des Kongresses nachzukommen, für die Airports strikte Sicherheitsregeln zu erlassen.

Keine der primitiven Waffen, die am 11. September an Bord der entführten Passagiermaschinen gebracht worden waren, widersprachen den Richtlinien der FAA. Doch solche Überlegungen fließen leider nicht in die gegenwärtige Sicherheitsdebatte des Kongresses ein. Dort herrscht vielmehr Demagogie. Und Probleme, die mit dem gesunden Menschenverstand gelöst werden könnten, werden politisiert.

Politischen Mumm beweisen zurzeit nur die Republikaner im Repräsentantenhaus. Sie sind mutiger als die republikanischen Senatoren, die unter Druck nun zentrale Zuständigkeiten des Bundes gesetzlich festschreiben. Und auch das Weiße Haus war bis vor kurzem ja keine Hilfe.

Der nun vorliegende Gesetzesentwurf des Repräsentantenhauses hat immerhin Vorteile. Denn er überlässt es Präsident Bush, sich für ein System zu entscheiden, das er schnell in Kraft setzen kann. Und es erlöst die glücklose FAA von ihrer Verantwortung für die Flughafensicherheit. Eine Aufsichtsbehörde soll nun dafür zuständig sein, die eine weit größere organisatorische und personelle Flexibilität besitzt. Der Entwurf sieht die Überprüfung der Leute vor, die mit Kontrollaufgaben beauftragt sind und fordert außerdem die Präsenz von Aufsichtsbeamten bei der Gepäckabfertigung. Übrigens: Der Entwurf des Repräsentantenhauses kommt dem israelischen Modell am nächsten. Und wenn es um Flughafensicherheit geht, halten wir es am besten mit Israel.

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