Wirtschaft : Editorial II: Europa muss bei Fluglinien hart bleiben

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Jetzt ist es amtlich: Sabena hat bei einem belgischen Handelsgericht Insolvenz angemeldet und den Flugbetrieb unmittelbar und endgültig eingestellt. Gleichzeitig übertrug die belgische Fluggesellschaft ihre Start- und Landerechte für den Brüsseler Flughafen Zaventem auf ihre Tochtergesellschaft, die Regionalfluglinie Delta Air Transport (DAT). Die belgische Regierung gab bekannt, dass sie 200 Millionen Euro für einen Neubeginn beschafft habe, damit DAT einige Routen von Sabena übernehmen kann.

Die Regierung wies außerdem darauf hin, dass der Staat an der neuen Fluglinie, die von einem Konsortium aus belgischen Unternehmen und privaten Banken finanziert werden soll, nicht beteiligt sein werde. Man hoffe, dass zumindest auf einigen Strecken der Flugbetrieb innerhalb weniger Tage wieder aufgenommen werden könne. Mit der Zeit soll der Flugbetrieb dann ausgeweitet werden.

Es bleibt abzuwarten, ob das versprochene Geld ausreichen wird und die Pläne der Regierung aufgehen. Klar ist jedenfalls schon jetzt, dass tausende Arbeitsplätze verloren gehen und einige Strecken, die Sabena geflogen hat, von dem Nachfolgeunternehmen nicht mehr angeboten werden können. Eine Ära belgischer Luftfahrtgeschichte ist zu Ende gegangen.

Dennoch: Trotz des Verlustes von Arbeitsplätzen und den Unannehmlichkeiten, die für die Reisenden in den kommenden Tagen und Wochen von und nach Belgien entstehen werden - es ist vermutlich am besten so. Sabenas bemerkenswerter Rekord, in einer 78-jährigen Geschichte nur zweimal kleine Gewinne erwirtschaftet zu haben, hat, wenn überhaupt, in der Wirtschaftsgeschichte wenige Parallelen. Die belgische Regierung, die Geschäftsführung des Unternehmens und die Gewerkschaften - sie alle haben ihr Scherflein zum Absturz Sabenas beigetragen.

Es gibt aber noch einen Beteiligten, dessen Rolle nicht vergessen werden sollte. Durch die Krise des internationalen Flugverkehrs nach den Terroranschlägen des 11. September und die Finanzspritze der US-Regierung für die US-Fluggesellschaften in Höhe von 15 Milliarden Dollar, geriet die Europäische Kommission unter enormen Druck, den europäischen Fluglinien beizustehen oder es den Mitgliedstaaten zumindest zu erlauben, ihre nationalen Fluglinien zu retten. Im Großen und Ganzen ist sie ihrem Prinzip, staatliche Beihilfen nur unter strengen Voraussetzungen zu dulden, aber treu geblieben und das verdient Beifall.

Es ist leicht, in guten Zeiten staatliche Beihilfen streng zu reglementieren, aber weitaus schwerer, wenn das Überleben eines Unternehmens auf dem Spiel steht. Besonders dann, wenn dieses Unternehmen mit der Ehre und dem Status einer Nation in der Welt verknüpft ist. Die Kommission wird sich durch ihre Starrköpfigkeit auf kurze Sicht sicher unbeliebt machen, denn Sabena wird nicht die letzte Fluglinie sein, die abstürzt. Nur wenn Brüssel auch dann einen kühlen Kopf bewahrt, wenn weitere Fluggesellschaften gezwungen werden, umzustrukturieren, kann Europa hoffen, sich in Richtung auf eine wirtschaftlich rationale Luftfahrtindustrie zu bewegen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar