Wirtschaft : Editorials: Al Gore hätte gewonnen - eigentlich

Aus dem Wall Street Journal. Übersetzt,ge

Welch Ironie. Al Gore hätte die Präsidentschaftswahlen in Florida einer landesweiten Nachzählung zufolge gewonnen. Die hatte er aber nicht geordert. Nach der von ihm und seinen Anwälten tatsächlich geforderten Nachzählung in den fraglichen Bezirken hätte er allerdings verloren. Das hat jetzt eine Mediengruppe, einschließlich dem Wall Street Journal, herausgefunden, nachdem sie den Sommer damit verbracht hat, Floridas umstrittene Wahlzettel nachzuzählen. Dieses Resultat bestätigt nur das, was wir die ganze Zeit betont haben: Man kann die Wahlbestimmungen nicht dann ändern, wenn alle Stimmen abgegeben sind. Genau das hat auch der Oberste Gerichtshof in Amerika bei seiner unheilvollen Entscheidung im Bush-Gore-Duell in letzter Instanz entschieden - ein Beschluss, der durch die Zählung der Medien einmal mehr bestätigt wurde.

Sogar Gores Parteigenossen müssen nun einsehen, dass der Oberste Gerichtshof dem ehemaligen Vizepräsidenten den rechtmäßigen Sieg nicht vereitelt hat. Wäre die durch den Gerichtshof in Florida angeordnete Nachzählung zu Ende geführt worden, wäre Bushs Wahlergebnis bestätigt worden. Das ergab unsere Kontrolle. Gore hätte sich nur behaupten können, wäre hinsichtlich der verwirrenden Wahlzettel und der dadurch nicht eindeutigen "Wählerabsicht" eine Nachzählung in jedem Bezirk Floridas angeordnet worden. Das Leben ging für Gore und viele andere im Lande weiter. Für ihn ist es selbstverständlich, dass eine nationale Krise nicht der rechte Zeitpunkt ist, um über Bestimmungen zu streiten.

Trotzdem ist die Medienzählung eine Warnung für die Amerikaner, das zu bereinigen, was der Politologe Walter Dean Burnham als "das nachlässigste Wahlsystem aller Industriestaaten" bezeichnet. Einige Staaten, darunter Florida, haben den Wahlablauf bereits verbessert. Eine Reform aus der Feder beider Parteien im Repräsentantenhaus könnte Anreize für die anderen Staaten schaffen nachzuziehen. Aber bisherige Gespräche im Senat wurden gestoppt, weil die Demokraten den Gesetzesentwurf verschiedenen Interessengruppen überlassen haben. In diesem Maße versuchen einige Politiker, durch eine Reform Vorteile für ihre eigene Partei herauszuschlagen. Nach der Nachzählung hat die Mediengruppe nun Zeit, diesen politischen Opportunismus aufzudecken.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben